Freitag, 9. November 2007

Grönland, Tag 5 (II) - Nach Paarnakajiit

Über den Sermilik-Fjord hinweg kann man auch bis zum Inlandeis sehen.


Blick über Sapulik und Sermilik-Fjord zum Inlandeis

Rechts sieht man kleine gestrandete Eisberge. Solche sollten in den folgenden Tagen eine große Rolle bei unserer Trinkwasserversorgung spielen - Eisberge bestehen aus Süßwasser. Zwar fehlen ihnen einige Dinge gegenüber normalem Süßwasser, weswegen es nicht möglich ist, auf Dauer Eisbergwasser zu trinken, aber für kurze Zeiten geht das schon.


Der Sermilik-Fjord - voller Eisberge

Natürlich bin ich begeistert, wieder so viele Eisberge zu sehen. Wir fürchten zwar ein wenig, unser Boot könnte wegen der Eisberge nicht durchfahren können, aber Holger versichert uns, da sei noch genug Wasser zwischen den Eisbergen, es sähe nur nicht so aus. In der Tat hat er recht - als wir näherkommen, sehen wir das auch.


Wir nähern uns dem Fjord


Soo viele Eisberge!


Blick zurück Richtung Tal

Unser Ziel für heute ist Paarnakajiit, je nach Karte auch Paornakajiit geschrieben. Dort steht eine Schutzhütte für Jäger, da es in der Fangzeit ein alter Jägerplatz ist. Holger macht sich Gedanken wegen der Franzosen, die dasselbe Ziel haben, da die ja schon letztes Mal ziemliches Getue gemacht hatten, weil wir uns den Platz teilen mußten. Dabei war da wirklich Platz genug. In Paarnakajiit sieht es wohl ungünstiger aus, da gibt es nur wenige Plätze, die eben genug sind, um ein Zelt aufzubauen, und Holger fürchtet, daß der Franzosenchef nicht fair genug ist, uns noch genug übrigzulassen. Er sollte recht behalten.


Die Bucht vor Paarnakajiit


Äh, ja. Eisberge.

Paarnakajiit ist eine Halbinsel im Sermilik-Fjord. Zwischen ihr und dem eigentlichen Festland ist eine breite ebene 'Landbrücke', und die Halbinsel selbst ist eigentlich ein steiniger Hügel mit flachen Hängen, der da im Fjord liegt. Wir kommen über die Berge und müssen erst einmal absteigen, und zwar zu einem See, der ein Stück östlich von Paarnakajiit liegt. Einen Namen hat er zumindest auf meinen Karten nicht, allerdings bekam er von mir auch spontan den Namen Kheled-zâram verpaßt. Der Spiegelsee.

The world was young, the mountains green,
No stain yet on the Moon was seen,
No words were laid on stream or stone,
When Durin woke and walked alone.
He named the nameless hills and dells;
He drank from yet untasted wells;
He stooped and looked in Mirrormere,
And saw a crown of stars appear,
As gems upon a silver thread,
Above the shadow of his head.
[...]

(Song of Durin - J.R.R. Tolkien)


Farbe und Himmelsrichtungen passen zwar nicht soo ganz, aber...

[...] Weniger als eine Meile entfernt und etwas unterhalb von [den Gefährten], denn noch immer standen sie hoch oben an der Westseite des Tals, lag ein See. Er war lang und oval, geformt wie eine große Lanzenspitze, die tief in die nördliche Schlucht hineinstieß; sein südliches Ende lag nicht mehr im Schatten, sondern unter dem sonnenhellen Himmel. Dennoch war sein Wasser dunkel: ein tiefes Blau wie ein klarer Abendhimmel, den man von einem erhellten Zimmer aus sieht. Seine Oberfläche war still und ungekräuselt. Um ihn herum war eine glatte Rasenfläche, die an allen Seiten bis zu seinem kahlen, nicht unterbrochenen Rand abfiel.
"Dort liegt der Spiegelsee, der tiefe Kheled-zâram!", sagte Gimli traurig. [...]


Und so sieht die grönländische Version aus:


Der See östlich von Paarnakajiit - genannt Kheled-zâram


Der Abfluß des Spiegelsees - Gelegenheit zum Wasser-Auffüllen

Wir verlassen den ziemlich hochgelegenen See und steigen durch den Flußcanyon weiter ab, Richtung Paarnakajiit. Auch auf der anderen Seite der Halbinsel sind Eisberge. :)


Große Eisberge, kleine Eisberge...


Die Halbinsel von oben

Wir überqueren das flache Stück und steigen auf der anderen Seite links den Hügel hinauf.


Bucht auf der Südseite von Paarnakajiit

Am Zeltplatz angekommen, entdecken wir, daß Holgers Fernrohr vorher in der Tat nicht gelogen hatte: die Franzosen sind noch nicht da, aber auf jedem einzelnen vernünftigen Zeltplatz liegt zur Reservierung eins der knallroten Franzosen-Zelte, noch eingepackt!! Die müssen also ihrem Bootsmann gesagt haben, er sollte, statt einfach das Gepäck abzuladen, schon mal die Zelttüten da hinwerfen, wo nachher ihre Zelte stehen sollten. Und natürlich haben die sich da ziemlich breitgemacht und praktisch alles belegt, was an ebenem Boden vorhanden ist. Holger ist sauer. Wir auch. Und da sagt man den Deutschen nach, sie würden am Swimmingpool gleich morgens immer die Liegen mit Handtüchern 'reservieren'.

Wir wollen es aber nicht auf einen Streit ankommen lassen. Es ist zwar keiner da, aber wir gehen trotzdem nicht an deren Sachen, um sie etwas fairer zu verteilen. Diese Gruppe ist bei uns aber ein für allemal unten durch! Daß sich die erste Gruppe, die ankommt und ihr Gepäck schon da hat, die besten Plätze aussucht, das ist wohl selbstverständlich, das macht jeder so, wir ja auch. Wir wären aber nie auf die Idee gekommen, Gerd solche Instruktionen zu geben, schon mal mit dem vorausgeschickten Gepäck alles zu blockieren! Und wir hätten darauf geachtet, daß auch die noch genug Platz zum Zelten haben. Das haben die aber nicht.

Wir machen uns also auf die Suche nach einem Platz, wo wir irgendwie unser Küchenzelt unterbringen können. Nach dem Wegräumen einiger großer Steine wird es mehr schlecht als recht irgendwo hingeknäult, wo es halbwegs paßt. Gerade steht es nicht, die Abspannungen sind auch mehr gepfuscht als alles andere, aber auf der einen Seite ist Grünzeug und eine Kante und auf der anderen Seite sind Felsen, außerdem muß man an dem Zelt noch irgendwie vorbekommen. So ein Alex-Zelt braucht halt etwas Platz.

Für die anderen Zelte sieht es auch mau aus. Wenn wir sie so dicht aneinander aufbauen, daß sich alle beim Abspannen im Weg sind, kriegen wir drei dichtgedrängelt noch neben das Küchenzelt, wo es einigermaßen eben ist. Kosh und ich finden noch ein Plätzchen, wo wir den anderen nicht ganz so auf den Füßen stehen, dafür ist das Gelände da aber gründlich abschüssig.

Holger schultert schließlich sein Zelt und stapft den Hügel hinauf. Hier unten wüßten wir auch nicht, wo wir sein kleines Zelt noch unterbringen sollten. Die Franzosen haben ihre Zelte wirklich 'großzügig' verteilt, grmpf. Da hat auch jedes Zelt ordentlich Platz, und alle stehen für sich.

Allerdings lohnt sich ein Blick in die andere Richtung deutlich mehr. Da liegt kein Franzosenkrempel herum, sondern da sie uns so dicht an die Klippen gedrängt haben, haben wir neben ein paar Felsen die direkte Aussicht aufs Meer und somit auf die Eisberge.

Bei so einer Aussicht ist es selbst für mich unmöglich, mich gründlich zu ärgern. Da vergißt man selbst die Franzosen.


Blick von vor dem Zelt nach links (Süden) Richtung Sapulik


Blick nach Südwesten, Richtung Ugpat


Eisberge vor der Landzunge Ugpat

Auf den Klippen liegen auch kleine gestrandete Eisberge in Reichweite, so daß wir sie fürs Teewasser einfangen können.


"Unsere" kleinen Eisberge


Blick Richtung Westen (mehr oder weniger)


Die Wolken spiegeln sich im Wasser


Wolken, Steine, Eisberge, Wasser und Spiegelwolken


Was für eine Aussicht!


Spiegelwolken über dem Sermilik-Fjord


Eisberge...

Gerd wird auch dableiben, obwohl wir zwei Tage hier sind, wir ihn also am nächsten Tag nicht als Bootsfahrer brauchen. Aber er wird die Gelegenheit nutzen, um fischen zu gehen. Wir dürfen also auf frischen Fisch hoffen, den wir ihm abkaufen können.


Gerd und sein Boot

Direkt nach Westen, über den Sermilik-Fjord hinweg, schauen wir in einen anderen Seitenfjord hinein: den Tasiilaartik-Fjord, der auf der Westseite des Sermilik-Fjords liegt.


Special Effects über dem Tasiilaartik-Fjord


Ein Loch in den Wolken


Teewasser - im Rohzustand


Wolkentheater über dem Sermilik-Fjord


Eisberge im Zwielicht


Nochmals der Blick von vor dem Zelt aus

Mittlerweile sind die Franzosen auch da. Wir ignorieren sie.
Als sie aufbauen, fällt uns allerdings folgendes auf: die haben zwar die besseren Plätze für sich gepachtet, während wir entweder wie in der Sardinenbüchse mit den Zelten stehen oder auf der Schräge, dafür sitzen wir aber gezwungenermaßen zwischen denen und der Aussicht auf den Fjord, mehr oder weniger.


Die rotbezelteten Franzosen haben uns in die letzte Ecke abgedrängt... dafür sitzen wir jetzt praktisch ihnen in der Sicht. Selbst schuld.


Koshs und mein Zelt ist das ganz rechts.

Wir wissen, daß die Franzosen nur eine Nacht bleiben, während wir zwei Nächte da sind. Morgen früh sind wir sie also hoffentlich los. Und wir werden einen ganzen wunderschönen Ruhetag in Paarnakajiit bei den Eisbergen verbringen. :)

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Grönland, Tag 5 (I) - Vom Amitsivartiva zum Sermilik-Fjord, über den kältesten Fluß Grönlands

Nachdem ich am Abend vorher in den Schlafsack gefallen war wie ein Stein und auch geschlafen hatte wie ein solcher, kriechen wir morgens doch in halbwegs brauchbarem Zustand aus den Federn (im wahrsten Sinne des Wortes... unsere Daunenschlafsäcke haben uns gute Dienste geleistet). Müde bin ich zwar, aber das ist morgens ja nichts Neues. Ansonsten merke ich zwar den gestrigen Tag - also, wenn ich keine Fotos mehr mache, dann bin ich schon WIRKLICH fix & alle -, aber ich freue mich auch auf den heutigen, der laut Holger und Karte zwar auch nicht kurz wird, aber keine großangelegten Steigungen enthält.

Wir frühstücken, das übliche: Marmelade, Nutella oder auch Salami/Käse auf so einer Art Vollkornbrot, was sich länger hält als das übliche Weißbrot und auch recht gut schmeckt. Hier haben wir ja keine Stühle und nichts, also sitzen wir auf passend herumliegenden Steinen oder auch auf dem Boden, im Zelt ist es ja trocken. Als Frühstückstisch dienen die gelben Proviantkisten. Fürs Mittagessen schmieren wir uns Brote und packen sie ein, dann wird abgebaut.


Tag 5: Aufbruch am Amitsivartiva-Fjord

Gestern habe ich es ja nicht mal mehr geschafft, den Fjord zu fotografieren... das wird nun nachgeholt. Die Wolken hängen leider immer noch recht tief, aber es regnet nicht und sieht auch nicht so aus, als ob es das bald tun wollte.
Der Amitsivartiva ist ein sehr schmaler Fjord, der fast genau von Nordosten nach Südwesten führt und im Südwesten dann in den großen Sermilik-Fjord mündet, der von Norden kommt. Dieser ist im Vergleich zu den kleinen Fjorden riesig; praktisch die gesamte Gegend, in der wir hier unterwegs sind, grenzt im Westen an ihn.


Der Amitsivartiva-Fjord

Wir bilden die obligatorische Kette und verladen unseren gesamten Kram, Zelte und alles, in das offene Boot. So ganz trauen wir dem Frieden nicht, das ist schon eigentlich mehr eine Nußschale, und da alles offen liegt, würde auch bei Regen alles naß werden. Aber wir haben schon so gepackt, daß alles möglichst regendicht ist. Aber trotzdem, immerhin gibt es da ja noch Eisberge und Wellen und alles das. Wir hoffen also einfach, daß wir heute abend Bootsfahrer, Boot und Gepäck auch wohlbehalten wiedersehen.


Die übliche Verladekette ins Boot

Unser Bootsfahrer heißt Gerd und ist ein sehr netter Mensch - er spricht leider fast nur Ostgrönländisch, so daß sich die Kommunikation etwas aufwendig gestaltet. Holger und Gerd, die sich schon länger kennen, 'arbeiten' aber zusammen an einem ostgrönländischen Wörterbuch, und Holgers Notizzettel sind schon recht nützlich. Der Rest wird durch Gefuchtel und Fingerzählen erledigt.
Der deutsch klingende Name ist übrigens für die Gegend nicht ungewöhnlich, da etwa im 18./19. Jahrhundert deutsche Missionare hier tätig waren und viele Einheimische damals auf deutsche Namen tauften.


Gerd bricht auf... mit unserem Gepäck


Noch ein Blick auf den Fjord... links die Berge um den Gipfel Innertivik

Wir schultern also die Tagesrucksäcke und machen uns auf den Weg. Da wir ein Stück in den Fjord hineingelaufen sind, müssen wir das Stück wieder zurücklaufen, sozusagen bis zum Anfang des Fjords.


Das Ende des Fjords, bzw. der Anfang

Rechter Hand liegt der Fluß, über den wir gestern mit Tricks und Tücke drübergekommen sind.


Das müßte der Fluß sein, den wir am Tag vorher überquert hatten...

Wir haben das Nordostende des Fjords erreicht, lassen den Fluß rechts liegen und wenden uns nach Norden. Wir wollen entlang eines breiten Nord-Süd-Tals, quasi der Fortsetzung des Flußtals, in das wir gestern abgestiegen sind, bis an den Sermilik-Fjord im Norden gehen. Im Tal liegt zuerst ein großer langer See, dann ein kleinerer See, und irgendwo da müssen wir einen Fluß überqueren - Holger hat uns mehrfach vorgewarnt, so daß wir alle die Wasserschuhe dabeihaben.


Der große See zwischen dem Amitsivartiva- und dem Sermilik-Fjord

Natürlich hat der See auf der Karte wieder keinen Namen, wie so vieles.


Steine.

Es gibt eine Menge Steine und auch eine Menge Mücken. Kosh trägt sinnvollerweise sein Mückennetz; mich nervt meins gründlich und ich trage es eher weniger. Allerdings werde ich auch dementsprechend gestochen... praktisch seit Tasiilaq ist abwechselnd das rechte und das linke Auge durch Mückenstiche leicht zugeschwollen. Holger meint schon, daß da irgendein ausgetüfteltes System dahintersteckt, warum das immer abwechselnd ist. Es ist allerdings nicht nur das Auge; auch sonst bin ich ziemlich zerstochen, und die Stiche schwellen an und jucken schlimmer als die kontinentaleuropäischen. Noch nervt das Netz mich allerdings noch mehr als die Mückenstiche, weswegen ich es immer erst anziehe, wenn's gar nicht mehr anders geht.


Schon wieder so eine Uruk-hai-Schlucht!


Die Wolken reißen auf, und Kosh fotografiert heute auch


Gegenseitiges Knipsen beim Knipsen ;)

So etwa auf der halben Strecke liegt der berüchtigte Fluß. Es ist ein Gletscherfluß, also relativ trübe und eiskalt. Holger meint, es sei der kälteste Fluß, den er in Grönland kennen würde... vielleicht läge es daran, daß der Gletscher so nah sei. Er ist allerdings nicht sonderlich tief, da er ein großes Delta mit vielen Armen bildet, über das wir hinüberwollen.

Für einige in der Gruppe ist das die erste Flußüberquerung, wo es nicht mehr mit Springen und Tricksen geht, sondern man wirklich die Schuhe ausziehen muß und waten. Ich selbst kenne das Spielchen von Island zur Genüge. Also, Schuhe aus, Regenhose an und um die Knöchel mit Tape festkleben, Flußsandalen an, so fest zukletten, wie sie sinnvoll gehen, Stöcke länger stellen, Kamera wegpacken, Schuhe um den Hals. Bei mir merkt man immer daran, wo die Kamera ist, ob ich etwas für einfach oder eher schwierig halte... wenn ich die Kamera wegpacke, dann wird es schon etwas ernster.

Heike hat für die Flüsse normale Flipflops mitgebracht statt richtiger Watschuhe, und wir alle sind etwas skeptisch, ob sie mit den Dingern rüberkommt. Sie selbst auch. Der Fluß hat ordentlich Strömung, und man sieht halt nicht genau, wo man hintritt, da das Wasser nicht durchsichtig ist. Holger testet die Passage aus, und wir folgen ihm über die ersten Flußarme, die auch gleichzeitig die schwierigsten sind.

Und wenn ich sage, das Wasser ist eiskalt, dann meine ich genau das. Man kann sich nicht vorstellen, wie verdammt weh kaltes Wasser tun kann! Ich hatte es in Island schon einmal erlebt, daß ich bei einem ebenfalls nicht sonderlich tiefen, aber breiten Fluß die letzten Meter ohne jede Rücksicht darauf, wo ich hintrete und ob ich meine Klamotten naßmache oder sonst irgendwas, einfach nur blindlings vorwärts gestolpert bin, um aus dem kalten Wasser rauszukommen - einfach weil es so wehgetan hat. Wenn ich damals nicht meine Mutter dabeigehabt hätte, hätte ich vermutlich laut geschrien. Seitdem haben wir diesen Trick entwickelt, die Regenhose anzuziehen und um die Knöchel mit Panzertape zuzutapen, so daß wenigstens nur die Füße in direkten Kontakt mit dem Wasser kommen. Brrr.

Dieser Fluß hier ist von ähnlicher Qualität, nur etwas flacher und eben weniger breit dadurch, daß er auf mehrere Arme aufgeteilt ist. Und in der Tat ist die Eiseskälte das größte Problem. Wenn man nichts sieht, muß man eigentlich langsam gehen und mit den Stöcken die Wassertiefe erst austesten... andererseits verleiten die Kälte und der Schmerz dazu, sich möglichst zu beeilen. Da hat dann jeder seine eigene Methode, wie er das macht.

Kosh und die meisten anderen kommen gut durch, obwohl mir Kosh sagt, daß es ihm einmal schwarz vor Augen geworden ist von den Kälteschmerzen. Er tut mir irgendwie leid - ich war ja wenigstens gewarnt; ich wußte, was kommt, aber wenn man das nicht mal selbst erlebt hat, dann kann man sich's kaum vorstellen. Dummerweise hört es auch nicht gleich sofort auf, wenn man aus dem Wasser raus ist, sondern geht nur langsam weg.

Unser Sorgenkind ist jetzt Heike, die diese Flipflops anhat, die am Fuß nicht halten und tatsächlich von der Strömung beide losgerissen und weggetragen werden, ohne Chance, sie wieder einzufangen. Mit Holgers Hilfe kommt Heike aber auch auf der anderen Seite an, barfuß. Eigentlich ist sie eine geübte Wanderin, aber eben eher in den Alpen, wo es solche Dinge wie diesen Fluß einfach nicht gibt.

Wir bringen die restlichen, größtenteils kleineren Flußarme hinter uns und machen erst einmal Rast auf der Anhöhe hinter dem Fluß, um die Füße wieder aufzuwärmen, Socken und Schuhe wieder anzuziehen und etwas zu essen.


Der kälteste Fluß Grönlands


Das Delta, das wir gerade überquert haben

Nachdem wir ein Stück weitergelaufen sind, kommt auch der Sermilik-Fjord vor uns in Sicht. Dort wollen wir hin, allerdings noch ein kleines Stück weiter nördlich als das, was wir von hier aus sehen.


Der Sermilik-Fjord kommt in Sichtweite

Manchmal gibt es praktisch nur Steine, manchmal aber wächst da auch eine Menge dazwischen.


Unmotiviert herumliegende Steine


Weidenröschen, Grünzeugs und Steine

Das Grünzeugs sind übrigens neben Gräsern hauptsächlich niedriges Beerengestrüpp (von Krähenbeeren und ähnlichem) sowie Weiden. Diese Weiden kommen hier auch nicht über die Höhe eines Heidelbeerbüschels hinaus.


Noch ein herumliegender Stein

Solche Steine sind übrigens neben aller Dekorativität eine notwendige Hilfe für Toilettengänge, da das Gelände sonst eigentlich keine Deckung bietet. Da wir möglichst keinen Müll hinterlassen wollen, wird das Klopapier, so weit es eben geht, gleich verbrannt.


Gegend


Sumpf

Von den Franzosen haben wir übrigens kaum etwas gesehen und gehört; wir wissen nicht genau, wo sie sind. Vermutlich sind sie weiter unterhalb gelaufen, mehr am See entlang. Da sie wiederum auf den gleichen Lagerplatz zielen wie wir, werden wir sie abends schon wiedersehen. Holger macht sich ein paar Sorgen, da die gescheiten Zeltplätze dort, wo wir hinwollen, eher knapp sind.


Viele, viele Steine.


Ein Flüßchen

Der Sermilik-Fjord rückt näher - es sieht aus, als sei er komplett mit Eis gefüllt. Das ist er aber nicht, zwischen den Eisbergen ist noch freies Wasser.


Der Sermilik-Fjord von weitem


Es sieht aus, als wäre darauf eine geschlossene Eiswand.


Wir nähern uns dem Fjord


Blick zurück ins Tal


Eisberge!

Wir erreichen das Wasser an einem flachen Seitenarm des Fjords. Der Sermilik hat uns wieder, und es gibt immer noch jede Menge Eisberge darauf.


Sapulik

Sapulik heißt dieses kleine flache Wasserstück, das zwar schon mit dem Sermilik-Fjord verbunden ist, aber zu flach für die Eisberge ist.