
Blick über Sapulik und Sermilik-Fjord zum Inlandeis
Rechts sieht man kleine gestrandete Eisberge. Solche sollten in den folgenden Tagen eine große Rolle bei unserer Trinkwasserversorgung spielen - Eisberge bestehen aus Süßwasser. Zwar fehlen ihnen einige Dinge gegenüber normalem Süßwasser, weswegen es nicht möglich ist, auf Dauer Eisbergwasser zu trinken, aber für kurze Zeiten geht das schon.

Der Sermilik-Fjord - voller Eisberge
Natürlich bin ich begeistert, wieder so viele Eisberge zu sehen. Wir fürchten zwar ein wenig, unser Boot könnte wegen der Eisberge nicht durchfahren können, aber Holger versichert uns, da sei noch genug Wasser zwischen den Eisbergen, es sähe nur nicht so aus. In der Tat hat er recht - als wir näherkommen, sehen wir das auch.

Wir nähern uns dem Fjord

Soo viele Eisberge!

Blick zurück Richtung Tal
Unser Ziel für heute ist Paarnakajiit, je nach Karte auch Paornakajiit geschrieben. Dort steht eine Schutzhütte für Jäger, da es in der Fangzeit ein alter Jägerplatz ist. Holger macht sich Gedanken wegen der Franzosen, die dasselbe Ziel haben, da die ja schon letztes Mal ziemliches Getue gemacht hatten, weil wir uns den Platz teilen mußten. Dabei war da wirklich Platz genug. In Paarnakajiit sieht es wohl ungünstiger aus, da gibt es nur wenige Plätze, die eben genug sind, um ein Zelt aufzubauen, und Holger fürchtet, daß der Franzosenchef nicht fair genug ist, uns noch genug übrigzulassen. Er sollte recht behalten.

Die Bucht vor Paarnakajiit

Äh, ja. Eisberge.
Paarnakajiit ist eine Halbinsel im Sermilik-Fjord. Zwischen ihr und dem eigentlichen Festland ist eine breite ebene 'Landbrücke', und die Halbinsel selbst ist eigentlich ein steiniger Hügel mit flachen Hängen, der da im Fjord liegt. Wir kommen über die Berge und müssen erst einmal absteigen, und zwar zu einem See, der ein Stück östlich von Paarnakajiit liegt. Einen Namen hat er zumindest auf meinen Karten nicht, allerdings bekam er von mir auch spontan den Namen Kheled-zâram verpaßt. Der Spiegelsee.
The world was young, the mountains green,
No stain yet on the Moon was seen,
No words were laid on stream or stone,
When Durin woke and walked alone.
He named the nameless hills and dells;
He drank from yet untasted wells;
He stooped and looked in Mirrormere,
And saw a crown of stars appear,
As gems upon a silver thread,
Above the shadow of his head.
[...]
(Song of Durin - J.R.R. Tolkien)
Farbe und Himmelsrichtungen passen zwar nicht soo ganz, aber...
[...] Weniger als eine Meile entfernt und etwas unterhalb von [den Gefährten], denn noch immer standen sie hoch oben an der Westseite des Tals, lag ein See. Er war lang und oval, geformt wie eine große Lanzenspitze, die tief in die nördliche Schlucht hineinstieß; sein südliches Ende lag nicht mehr im Schatten, sondern unter dem sonnenhellen Himmel. Dennoch war sein Wasser dunkel: ein tiefes Blau wie ein klarer Abendhimmel, den man von einem erhellten Zimmer aus sieht. Seine Oberfläche war still und ungekräuselt. Um ihn herum war eine glatte Rasenfläche, die an allen Seiten bis zu seinem kahlen, nicht unterbrochenen Rand abfiel.
"Dort liegt der Spiegelsee, der tiefe Kheled-zâram!", sagte Gimli traurig. [...]
Und so sieht die grönländische Version aus:

Der See östlich von Paarnakajiit - genannt Kheled-zâram

Der Abfluß des Spiegelsees - Gelegenheit zum Wasser-Auffüllen
Wir verlassen den ziemlich hochgelegenen See und steigen durch den Flußcanyon weiter ab, Richtung Paarnakajiit. Auch auf der anderen Seite der Halbinsel sind Eisberge. :)

Große Eisberge, kleine Eisberge...

Die Halbinsel von oben
Wir überqueren das flache Stück und steigen auf der anderen Seite links den Hügel hinauf.

Bucht auf der Südseite von Paarnakajiit
Am Zeltplatz angekommen, entdecken wir, daß Holgers Fernrohr vorher in der Tat nicht gelogen hatte: die Franzosen sind noch nicht da, aber auf jedem einzelnen vernünftigen Zeltplatz liegt zur Reservierung eins der knallroten Franzosen-Zelte, noch eingepackt!! Die müssen also ihrem Bootsmann gesagt haben, er sollte, statt einfach das Gepäck abzuladen, schon mal die Zelttüten da hinwerfen, wo nachher ihre Zelte stehen sollten. Und natürlich haben die sich da ziemlich breitgemacht und praktisch alles belegt, was an ebenem Boden vorhanden ist. Holger ist sauer. Wir auch. Und da sagt man den Deutschen nach, sie würden am Swimmingpool gleich morgens immer die Liegen mit Handtüchern 'reservieren'.
Wir wollen es aber nicht auf einen Streit ankommen lassen. Es ist zwar keiner da, aber wir gehen trotzdem nicht an deren Sachen, um sie etwas fairer zu verteilen. Diese Gruppe ist bei uns aber ein für allemal unten durch! Daß sich die erste Gruppe, die ankommt und ihr Gepäck schon da hat, die besten Plätze aussucht, das ist wohl selbstverständlich, das macht jeder so, wir ja auch. Wir wären aber nie auf die Idee gekommen, Gerd solche Instruktionen zu geben, schon mal mit dem vorausgeschickten Gepäck alles zu blockieren! Und wir hätten darauf geachtet, daß auch die noch genug Platz zum Zelten haben. Das haben die aber nicht.
Wir machen uns also auf die Suche nach einem Platz, wo wir irgendwie unser Küchenzelt unterbringen können. Nach dem Wegräumen einiger großer Steine wird es mehr schlecht als recht irgendwo hingeknäult, wo es halbwegs paßt. Gerade steht es nicht, die Abspannungen sind auch mehr gepfuscht als alles andere, aber auf der einen Seite ist Grünzeug und eine Kante und auf der anderen Seite sind Felsen, außerdem muß man an dem Zelt noch irgendwie vorbekommen. So ein Alex-Zelt braucht halt etwas Platz.
Für die anderen Zelte sieht es auch mau aus. Wenn wir sie so dicht aneinander aufbauen, daß sich alle beim Abspannen im Weg sind, kriegen wir drei dichtgedrängelt noch neben das Küchenzelt, wo es einigermaßen eben ist. Kosh und ich finden noch ein Plätzchen, wo wir den anderen nicht ganz so auf den Füßen stehen, dafür ist das Gelände da aber gründlich abschüssig.
Holger schultert schließlich sein Zelt und stapft den Hügel hinauf. Hier unten wüßten wir auch nicht, wo wir sein kleines Zelt noch unterbringen sollten. Die Franzosen haben ihre Zelte wirklich 'großzügig' verteilt, grmpf. Da hat auch jedes Zelt ordentlich Platz, und alle stehen für sich.
Allerdings lohnt sich ein Blick in die andere Richtung deutlich mehr. Da liegt kein Franzosenkrempel herum, sondern da sie uns so dicht an die Klippen gedrängt haben, haben wir neben ein paar Felsen die direkte Aussicht aufs Meer und somit auf die Eisberge.
Bei so einer Aussicht ist es selbst für mich unmöglich, mich gründlich zu ärgern. Da vergißt man selbst die Franzosen.

Blick von vor dem Zelt nach links (Süden) Richtung Sapulik

Blick nach Südwesten, Richtung Ugpat

Eisberge vor der Landzunge Ugpat
Auf den Klippen liegen auch kleine gestrandete Eisberge in Reichweite, so daß wir sie fürs Teewasser einfangen können.

"Unsere" kleinen Eisberge

Blick Richtung Westen (mehr oder weniger)

Die Wolken spiegeln sich im Wasser

Wolken, Steine, Eisberge, Wasser und Spiegelwolken

Was für eine Aussicht!

Spiegelwolken über dem Sermilik-Fjord

Eisberge...
Gerd wird auch dableiben, obwohl wir zwei Tage hier sind, wir ihn also am nächsten Tag nicht als Bootsfahrer brauchen. Aber er wird die Gelegenheit nutzen, um fischen zu gehen. Wir dürfen also auf frischen Fisch hoffen, den wir ihm abkaufen können.

Gerd und sein Boot
Direkt nach Westen, über den Sermilik-Fjord hinweg, schauen wir in einen anderen Seitenfjord hinein: den Tasiilaartik-Fjord, der auf der Westseite des Sermilik-Fjords liegt.

Special Effects über dem Tasiilaartik-Fjord

Ein Loch in den Wolken

Teewasser - im Rohzustand

Wolkentheater über dem Sermilik-Fjord

Eisberge im Zwielicht

Nochmals der Blick von vor dem Zelt aus
Mittlerweile sind die Franzosen auch da. Wir ignorieren sie.
Als sie aufbauen, fällt uns allerdings folgendes auf: die haben zwar die besseren Plätze für sich gepachtet, während wir entweder wie in der Sardinenbüchse mit den Zelten stehen oder auf der Schräge, dafür sitzen wir aber gezwungenermaßen zwischen denen und der Aussicht auf den Fjord, mehr oder weniger.

Die rotbezelteten Franzosen haben uns in die letzte Ecke abgedrängt... dafür sitzen wir jetzt praktisch ihnen in der Sicht. Selbst schuld.

Koshs und mein Zelt ist das ganz rechts.
Wir wissen, daß die Franzosen nur eine Nacht bleiben, während wir zwei Nächte da sind. Morgen früh sind wir sie also hoffentlich los. Und wir werden einen ganzen wunderschönen Ruhetag in Paarnakajiit bei den Eisbergen verbringen. :)