Dienstag, 28. August 2007

Grönland, Randnotiz: Robert Peroni und das Rote Haus

Das Abendessen für unserern ersten Tag wurde für uns in Tasiilaq im "Roten Haus" zubereitet und zum Basiscamp heruntergeliefert, und danach kam der Hausherr, Robert Peroni, noch zu uns ins Küchenzelt, um uns zu begrüßen. Ich hatte ja schon angemerkt, daß ich zum Thema Robert Peroni noch etwas nachliefern wollte, und chronologisch paßt das wohl am ehesten hierher.

Der Name 'Robert Peroni' tauchte das erste Mal in den Mails unseres Reiseveranstalters auf, als Kontaktmensch in der Agentur auf Grönland. Parallel stöberte ich aber auch im Internet etwas herum auf der Suche nach lesenswerter Reiseliteratur und aus einfacher Neugier, und irgendwo stand da, daß in den 80er Jahren einmal drei Südtiroler Grönland zu Fuß durchquert hatten. Südtiroler, hm. Der Name würde passen. Ich jagte ihn also einmal durch Amazon und stellte fest, daß es tatsächlich sogar mindestens zwei passende Bücher gibt, nämlich "Der weiße Horizont. Drei Männer durchqueren Gröndlands unerforschte Eiswüste", in dem es offenbar genau um diese Expedition ging, und "Die magische Grenze. Expedition in Grönlands ewige Nacht". Bei beiden stand Robert Peroni als Autor dabei, und die Wahrscheinlichkeit, daß es da zwei mit dem gleichen Namen gibt, die ist wohl gleich Null, das mußte also genau dieser sein. Eine Anfrage beim Reiseveranstalter bestätigte das, und ich bekam gleich noch den Link zu einem interessanten und lesenswerten Interview geschickt:

Interview mit Robert Peroni bei Südtirol Online

Das "Rote Haus" in Tasiilaq wird zwar praktisch überall erwähnt, wenn es um Touren in Ostgrönland geht, aber was es damit auf sich hat, und wer es aufgebaut hat, das habe ich dann erst in diesem Interview erfahren:

STOL: Zurück zu Ihrem Haus: Was ist dort passiert?

Peroni: Ganz einfach: Wer ein Problem hatte, egal ob mit seinem Boot, oder mit der Familie, konnte zu mir kommen, wo ich ihn für einige Tage aufgenommen habe. Mit der Zeit kamen immer häufiger junge Grönländer, die meist Probleme mit dem Alkohol und Suizidgedanken hatten. Aus dem Haus ist ein kleines Hotel mit 20 Betten geworden, da mittlerweile Touristen nach Grönland kommen. Dadurch kann ich einigen dieser Menschen Arbeit geben und sie resozialisieren. Viele Grönländer müssen lernen, „trocken“ zu werden. Sie können nach der Zeit im Hotel mit einem Startgeld in ihr Dorf zurückkehren.


Aha. Nach dem Interview zu schließen, mußte dieser Robert Peroni also zum einen ein sehr interessanter Mensch sein, zum anderen ein Mensch mit Sinn für sinnvollen Tourismus.

Das Rote Haus und die dazugehörige Agentur TUNING haben auch eine eigene Webseite:

http://www.east-greenland.com/

Leider ist diese jedoch reichlich unübersichtlich, so daß ich hier noch einmal die Philosophie des Hauses zitiere (der Text liegt auf der Seite gut versteckt bei "Über uns" und "mehr"):

Tuning - das steht fuer Tunu (= Ostgroenland) Incoming Agency Greenland ApS.

Der Name ist Konzept: Wir fühlen uns unseren Gästen gegenüber genauso verpflichtet wie der einheimischen Bevölkerung an unserem Firmensitz in Tasiilaq/Ostgrönland, ihrer Kultur und der Umwelt, und unser Tun soll zum Wohle beider Seiten sein.


Wir - das ist ein Netzwerk von Profis:

- Dreh- und Angelpunkt sind Robert Peroni und Tobias Ignatiussen. Der Suedtiroler Robert Peroni lebt seit ueber 25 Jahren in Ostgroenland und ist der Fachmann fuer Groenland-Expeditionen. Tobias Ignatiussen ist Ostgroenlaender, der beste Jaeger und die Leitfigur des Distrikts. Er kennt die oertlichen Gegebenheiten, Wetter-, Eis- und Schneeverhaeltnisse bestens.

- Unterstuetzt werden die beiden bei der Organisation und Durchfuehrung von Touren von anderen einheimischen Jaegern, Fischern und Hundeschlittenfuehrern, die viele Jahre Erfahrung im Tourismus haben.

- Im Hotel kuemmern sich, wie ueberall, eine Vielzahl fleissiger "guter Geister" um das Wohl des Gastes. Bei uns werden, wenn immer möglich, Einheimische beschaeftigt, vor allem Jugendliche, die in der strukturschwachen Gegend Ostgroenlands nur schwer eine Arbeitsstelle finden.

- Und schliesslich koennen Sie sich mit allen Fragen auch an Inge Weber in unserem Buero in Deutschland wenden.

Die wichtigsten Ziele, die hinter allem unserem Tun stehen, sind:

- Wir wollen eine ganz besondere Qualitaet im Tourismus schaffen - Abenteuer und Erlebnis fuer unsere Gaeste und uns Einheimische.

- Wir wollen sozial- und umweltvertraeglich arbeiten; das heisst Arbeitsplaetze fuer die einheimische Bevoelkerung schaffen, die groenlaendische Identitaet bewahren und den Tourismus an die oertlichen Gegebenheiten anpassen.

- Trotz zehnjaehriger Erfahrung steht Tuning in vieler Hinsicht am Anfang seiner Entwicklung. Viele Probleme gilt es noch zu loesen, so z.B. die Abfallentsorgung und die Schaffung von Arbeitsplaetzen waehrend der Nebensaison. Wir verstehen uns als ein flexibles System und sind daher fuer Anregungen und Kritik offen. Wir freuen uns ueber Ihren Besuch.


Ja, das klingt genau so, wie ich mir sinnvollen Tourismus vorstelle. Gerade mit meiner langen Erfahrung als "Touri" in allen möglichen Ecken der Welt kenne ich ja auch ein paar Schattenseiten des Tourismus, und versuche sie zu vermeiden.

Etwas mehr Internetsuche führt noch zu weiteren Links über Mensch und Projekt:

Weitsicht-Preis 2002 an Robert Peroni verliehen
Artikel über die Grönland-Durchquerung 1983 bei Südtirol Online
Über das Projekt "The Red House"
Auch bei speziellen Trekkingnahrungsmitteln taucht der Name Peronin auf

Weitere Texte finden sich als pdf auf der Pressemeldungsseite von east-greenland.com.

Robert Peroni und das Rote Haus sind also schon eine Institution in Ostgrönland. Holger meint, trotzdem und trotz seiner relativen Berühmtheit durch diverse Expeditionen sei der "Robert" ein ganz normaler Mensch, mit dem man sich gut unterhalten könnte und... naja, wir sollten ihn halt selbst erleben. Indirekt hatten wir das ja schon, denn die roten Boote, mit denen wir durch die Gegend gefahren werden, gehören zum Roten Haus, genau wie das Basiscamp. Robert organisiert dieses, jenes und so gut wie alles - der Haken dieser Angelegenheit ist, daß ohne ihn in der Gegend vermutlich erst mal nichts mehr ginge, zumindest bekam man etwas den Eindruck.

Nach dem Essen kam er tatsächlich zu uns ins Küchenzelt und erzählte noch so ein bißchen, über sich und sein Projekt und die Gegend und und - tja, was soll ich sagen. Ja, er ist kein 08/15-Mensch. Ja, er hat eine Menge zu erzählen und man hört ihm auch gern zu. Und ja, ich war beeindruckt.
Leider ging es ihm gesundheitlich nicht so gut, weshalb er dann bald wieder zum Roten Haus zurückfuhr, aber warum dieser Mensch mehr oder weniger alleine ein solches Projekt aufbauen und am Laufen halten konnte... ja nee is klar.

Deswegen habe ich auch die Links herausgesucht, weil ich nicht das Gefühl habe, ich könnte mich in dieser Hinsicht adäquat ausdrücken. Sollen die Texte und Links für sich selbst sprechen.

Freitag, 24. August 2007

Grönland, Tag 2 (III) - Tasiilaq


Tasiilaq, von See aus

Wir nähern uns Tasiilaq mit dem Boot, und zielstrebig steuert unser Bootsfahrer auf ein Stück Land zu, an dem eigentlich nichts zum Anlegen da ist, nur Felsen. Aber offenbar weiß er, was er da macht, nämlich das Boot einfach so bei den Felsen unterbringen, daß man eben herausklettern kann. Was soll man auch sonst machen, wenn der Hafen nun mal nicht da ist, wo man ihn braucht. Es folgt also die umgekehrte Prozedur zum Einsteigen, nämlich immer noch in den $&% Schwimmwesten auch wieder vom Boot an Land zu kraxeln.


Alles raus aus dem Boot

Natürlich muß das Gepäck auch noch wieder raus aus dem Boot.


Gepäck ausladen

Da die letzte Gruppe die Zelte für uns aufgebaut gelassen hat, können wir direkt 'einziehen' - also, einen Hügel hinaufklettern, und, in meinem Fall, erst einmal das Gepäck vor dem Zelt abwerfen und Fotos in die Gegend machen.


Blick vom Zeltplatz über die Bucht

Tasiilaq zählt mit seinen etwa 1300 Einwohnern wohl als 'Städtchen'. Immerhin ist es die Hauptstadt von Ostgrönland. Aber da ich Reykjavík, das immerhin 60.000 Einwohner hat (doppelt so viele, wenn man die Nachbargemeinden mitzählt), schon eigentlich nicht als 'Stadt' bezeichnen mag, will mir das bei Tasiilaq erst recht nicht passen. Ein Dorf ist es aber nun auch nicht.


Blick Richtung Ortsmitte

Da wir jetzt den Fahrtwind vom Boot nicht mehr um uns haben, fallen auch gleich unbeliebte Einwohner Grönlands über uns her: Mücken, Mücken, und erwähnte ich schon Mücken? Stechmücken, auch noch. Ich mag mein Moskitonetz noch nicht anziehen und verlasse mich erst einmal auf meinen eingebauten Pferdeschwanz als Mückenwedel. Es gibt Tiere, die einfach nur nerven!


Kosh und unser Zelt

Auf der anderen Seite des Zeltplatzhügels ist der Heliport, auf dem tagsüber auch viel Betrieb ist.


Der Heliport

Nachdem alle ihren Kram ins Zelt verstaut haben, gibt es erst mal Tee/Kaffee im Küchenzelt.


Versammlung im Küchenzelt

Das Küchenzelt, was wir fürs Trekking auch mitnehmen werden, ist ein typisches Alex-Zelt. Ich fühle mich ans Kinderzeltlager der katholischen Kirche erinnert. ;)


Küchenzelt

Wir wollen vor dem Abendessen noch einen Spaziergang in den Ort machen. Auf dem Weg dahin kommen wir an typischen grönländischen Schlittenhunden vorbei.


Schlittenhunde an der Straße

Ein Schlittenhundegespann besteht, wenn ich mich richtig erinnere, normalerweise aus 15 Tieren.


Mehr Schlittenhunde

Diese Schlittenhunde sind keine Huskies, sondern Polarhunde. Jetzt im Sommer, wo sie nichts zu arbeiten haben, liegen sie an langen Ketten in der Gegend herum, langweilen sich und betrachten Touristen gern als Unterhaltung.
Allerdings sollte man ihnen nicht allzu nahe kommen, da sie nicht wirklich 'zahm' sind und durchaus recht aggressiv. Obendrein bekommen sie im Sommer nicht viel zu fressen. Ich habe mich von diesen pelzigen Tierchen jedenfalls respektvoll ferngehalten.


Polarhund


Pelzig...


... aber nicht zum Anfassen

In der Gegend stehen auch noch die Reste eines alten Erdhauses, in dem die Grönländer früher den Winter verbracht haben. Keine wirklich gemütliche Angelegenheit, aber dazu später mehr.


Ein altes Erdhaus

Ich vermute mal, daß der in der Nähe der Hunde herumstehende Schlitten der ist, der zu dem Gespann normalerweise gehört. Das Gestell ist zum Trocknen von Fischen da, im Moment aber leer.


Panorama mit Schlitten

Auf der 'Hundewiese' ist auch ein kleiner Bach, an dem eine Menge Wollgras wächst, das ich als Wollgras-Fan natürlich fotografieren muß.


Wollgras

Der Hafen von Tasiilaq, in dem auch die Versorgungsschiffe aus Dänemark anlegen:


Der Hafen von Tasiilaq

Sogar Eisberge gibt es. Diese Bucht hat auch einen Namen, nämlich ebenfalls Tasiilaq, was so viel heißt wie 'stilles Wasser' (laut Holger).
Der dänische Name hat damit gar nichts zu tun, da heißt dieses Gewässer Kong Oscars Havn (oder Kong Oskars Havn, je nachdem, in welche Karte man schaut.).


Eisberg in der Bucht von Tasiilaq

Das Tal, in dem der Friedhof von Tasiilaq liegt, heißt 'Tal der Blumen', weil da sehr viele von ihnen wachsen. Vorne das rötliche Haus ist ein Waschhaus mit öffentlichen Duschen und Waschmaschinen... es wird von Einheimischen benutzt, aber die Duschen sind auch bei den Touris sehr beliebt. Auf dem Zeltplatz gibt es nämlich nur Plumpsklos und einen Wassertank draußen, sonst nichts.
Das Haus dahinter ist dann die Disco des Ortes.


Blick Richtung Waschhaus und Friedhof

Tasiilaq hieß diese Buch übrigens schon vor dem Ort, denn der Ort wurde erst 1894 von dänischen Kaufleuten und Missionaren gegründet. Um die Verwirrung zu vergrößern, steht auf manchen Karten auch noch Ammassalik oder Angmagssalik, weil der Ort eine Zeitlang diesen Namen trug. Mittlerweile hat man sich geeinigt, daß der Distrikt bzw. die Kommune nach wie vor Ammassalik heißt, der Ort aber Tasiilaq.
Daß es im Ostgrönländischen keine verbindliche Schriftsprache gibt, sorgt dann dafür, daß es alles auch noch in verschiedenen Schreibweisen gibt.


Häuser im älteren Teil von Tasiilaq

Außer diversen Tante-Emma-Läden gibt es zwei Supermärkte und eine Post. Die Supermärkte sind im Prinzip gut sortiert (solange die Versorgungsschiffe fahren... im Winter sieht das wohl anders aus!), aber die Preise... die Asia-Cup-Instantnudeln, die hier vielleicht 65 Cent kosten, die kosten da umgerechnet 2,20 Euro. Und diese Preise sind schon künstlich niedrig gehalten. Autsch.


Der zentrale Platz mit Post und Supermarkt


Noch ein Platz

Im neueren Teil von Tasiilaq ist der größere der beiden Supermärkte und auch ein Sportzentrum.


Der neuere Teil von Tasiilaq

Der Buchladen ist eine Institution für sich; er dient sowohl als Buchladen wie auch als Eisdiele und noch so ein paar Sachen. Allerdings hat er sehr willkürliche Öffnungszeiten - normalerweise nachmittags, aber manchmal auch nicht. Als wir dieses erste Mal vorbeikamen, war es schon Abend, und er hatte so oder so geschlossen.


Der Buchladen

Unten am Meer entstehen gerade neue Häuser, aber diese sind laut Holger eher etwas für Leute mit Geld. Von denen gibt es in Tasiilaq nicht so viele.


Neubauten

Immer mal wieder liegen Hunde herum und betrachten uns aufmerksam.


Hund paßt auf

Wir folgen einer Straße, vor der eine Absperrung und ein Hinweisschild steht, aus dessen grönländischer Aufschrift man ohnehin nicht schlau wird und dessen dänische Aufschrift sagt, daß man da nicht durchfahren kann. Jetzt wissen wir auch, warum. Aber wir sind ja eine Trekkinggruppe, nicht wahr, so einen Graben überspringen müssen wir schließlich können.


Straßen-Baustelle

Überhaupt, Straße. In Tasiilaq gibt es vielleicht insgesamt 2 km asphaltierte Straße und noch etwas mehr unasphaltierte Straße, aber keine Straße, die irgendwohin aus dem Ort hinausführt. Trotzdem gibt es Autos und Taxis. Vor allem Taxis. Taxifahrten durch den Ort zählen durchaus als Freizeitbeschäftigung vom Typ "sehen und gesehen werden".


Straße in Tasiilaq

Für jede Ortschaft gibt es einen Hauptjäger, der zuerst benachrichtigt wird, wenn z.B. ein Eisbär in der Gegend gesichtet wurde und geschossen werden muß. Der Hauptjäger von Tasiilaq heißt Tobias, und aus unerfindlichen Gründen hat er ein rosafarbenes Haus.


Das Haus des Hauptjägers

Mittlerweile sind wir wieder auf dem Rückweg, weil wir diesmal das Abendessen geliefert bekommen und pünktlich da sein müssen, und von der Straße aus sieht man den Zeltplatz von oben. Die Küchenzelte kann man gut erkennen - es sind mehrere, da der Zeltplatz Basiscamp für mehrere Gruppen ist. Die anderen Zelte stehen gut getarnt obendrüber auf dem Hügel.


Blick auf den Zeltplatz

Mittlerweile hat sich einer der Hunde mitten auf die Straße gelegt. Allerdings werden wir genau belauscht, ob wir auch nichts Falsches tun.


Nickerchen


Ich bewache hier die Straße


Canis dormiens numquam titillandus

Die Mücken nerven und nerven und nerven. Sie stechen auch. Nur durch Stoffe wie z.B. Trekkingjacken und -hosen können sie nicht stechen. Kosh hüllt sich also vernünftigerweise in so viel davon ein wie möglich und erinnert mich doch etwas an den Imperator *g*.


Imperator Kosh

Die Sonne geht gegen 22:30 unter, aber richtig dunkel wird es nicht. Zwar sind wir noch unterhalb des Polarkreises, aber nicht viel.


Abendstimmung über der Bucht von Tasiilaq

Donnerstag, 16. August 2007

Grönland, Tag 2 (II) - Apusiajiik-Gletscher und Eisberge

Eine grönländische Hürde beim Einsteigen in ein Boot hatte ich vergessen zu erwähnen: die Schwimmwesten. Bootspassagiere sind in Grönland verpflichtet, VOR dem Einsteigen in ein Boot Schwimmwesten anzulegen. Es könnte ja jemand beim Einsteigen ins Wasser fallen. Daß man in diesen Mistdingern die Bewegungsfreiheit einer Landschildkröte mit Gehgips hat und insofern das Einsteigen (sprich Ins-Boot-Kraxeln) x-mal schwieriger ist als ohne sie, und somit das Risiko, überhaupt ins Wasser zu fallen, dramatisch erhöht wird, ist den Behörden wohl entgangen.

Dummerweise sind die da in Grönland anders drauf als die Leutchen auf dem Amazonas, wo das zwar auch Pflicht ist, die Schwimmwesten aber erst herausgekramt und angelegt werden, wenn auf dem Fluß ein Polizeiboot in Sicht kommt (genau so ist es uns zumindest passiert).

Letztendlich frage ich mich, ob Schwimmwesten in Grönland nicht ohnehin ziemlich sinnfrei sind, da die Überlebensdauer, wenn man tatsächlich ins Wasser fällt, etwa bei drei bis fünf Minuten liegen dürfte wegen der Wassertemperatur, ob man nun schwimmt oder nicht. Aber nun ja, Vorschrift ist Vorschrift. Immerhin kann man dann während seiner drei Minuten an der Oberfläche bleiben, das ist auch was wert.

Die beiden Personen, die wir von der anderen Gruppe noch dazugenommen haben, sind zwei recht nette Schweizer oder Österreicher, offenbar ein Ehepaar; ansonsten sind wir auf dem Boot unter uns. Uns, das sind Holger, Reiseleiter und Chef für fast alles, und wir sieben Touris. Eigentlich sollte die Reise eine Mindestteilnehmerzahl von 10 haben, und wir sind sehr froh, daß es auch so trotzdem zustandegekommen ist. Außer Kosh und mir - in unserer Gruppe das einzige Pärchen - ist noch ein Mann dabei, Wolfram, der schon mehrfach in Grönland war, und 4 Frauen. Zwei Freundinnen, die schon lange gemeinsam in Urlaub fahren, Dunja und Susanne, und zwei einzeln reisende Frauen, Helga und Heike.


Holger, unser Chef

Das Ehepaar, das offebar auch schon einmal an der Westküste Grönlands war, unterhält sich mit Holger über die Unterschiede der Eisberge in West- und Ostgrönland... ich höre mit einem halben Ohr zu, bin aber viel zu sehr fasziniert von den Eisbergen, an denen wir gerade vorbeifahren. Wow. Die im Westen sollen zwar angeblich beeindruckender sein, aber ich bin von diesen hier beeindruckt genug.


Eisberg ganz nah

Eigentlich sind das gar nicht alles Eisberge, was da so herumschwimmt - ein Teil sind 'echte' Eisberge, die von den Gletschern abgebrochen sind, aber ein Teil sind Eisschollen, also Packeis, gefrorenes Meereis. Da aber auch die Eisschollen praktisch kein Salz mehr enthalten, ist es für uns ziemlich egal, und so wird eben alles Eisberg genannt, was aus Eis besteht und da so herumschwimmt.


Eisschollen und Eisberge

Teilweise sind da wirklich seltsame Gebilde unterwegs... Türme aus Eis, wie gedrechselt aussehende Säulen, pilzförmige Eisberge, und was nicht noch alles. Wir staunen.


Eisberge in allen möglichen Formen


Manche sehen aus wie umgestürzte Pilze

Das Wetter weiß auch nicht so recht, was es will... schaut man Richtung Meer, herrscht geschlossene Wolkendecke, aber über dem Land ist blauer Himmel.


Über dem Meer liegt arktischer Bleihimmel...


... aber in die andere Richtung scheint die Sonne

Wir nähern uns unserem Ziel, einer Gletscherabbruchkante. Mein Notizbuch sagt, der Gletscher hieße Apusiajiik-Gletscher. Mangels Karte kann ich gerade nicht nachsehen, aber da es für Ostgrönländisch keine verbindlichen Schreibweisen gibt, heißt er vermutlich ohnehin auf jeder Karte anders.


Wir nähern uns dem Gletscher

Das Wasser in der Gletscherbucht ist ruhig, und die Eisberge spiegeln sich darin.


Eisberge in Postkartenlaune

Zwar scheint die Sonne, aber vor allem der Fahrtwind ist dann doch ziemlich kalt.


Kosh hält Ausschau durch die Luke

Unser Bootsfahrer hält in Gletschernähe an, damit wir uns das auch alle gründlich betrachten und fotografieren können. Näher heran wird er wahrscheinlich nicht fahren wollen, da man nie so genau weiß, wann ein neuer Eisberg abbricht. Die Sonne taut zumindest am Eis herum.


Risse und Spalten im Gletschereis


Die Abbruchkante


Da kommen Eisberge her.


Gletscherpanorama mit Eisberg


Apusiajiik heißt der Gletscher


Noch einmal die Eiskante

Überall um uns herum im Wasser schwimmen kleinere Eisberge, und es ist sehr gut, daß das Boot einen verstärkten Boden hat, denn Kollisionen mit Eisbergteilen unter Wasser passieren relativ häufig. Vor allem Eisberge, die fast aufgetaut sind, sind so gut wie durchsichtig und liegen größtenteils unter Wasser, so daß man sie nicht sieht.


Ein kleiner Eisberg demonstriert das Eisberg-Prinzip

Nachdem alle fertig sind mit Gucken, Staunen und Fotografieren, fahren wir weiter in Richtung unseres eigentlichen Ziels, des Ortes Tasiilaq. Natürlich gibt es unterwegs weitere fotografierenswerte Landschaften und Eisberge...


Schroffe Berge und seltsame Eisberge


Sowas gibts doch gar nicht...

Auf dem offenen Meer schwimmen ein paar richtig große Eisberge, die fast aussehen wie futuristische Kriegsschiffe. Ich teste den Zoom meiner Kamera und mache hinterher ein Vergleichsbild, wie weit diese Dinger eigentlich weg sind (im zweiten Bild auf der linken Seite).


Große Eisberge - herangezoomt


So weit weg sind die großen Eisberge wirklich.

Auf der Landseite tauchen mittlerweile seltsame Nebel-/Wolkenstreifen auf, die auch fotografiert werden wollen.


Seltsamer Eisberg mit seltsamen Wolken


Komische Wolken

Einige Eisberge erinnern mich an außerirdische Raumschiffe... so Marke 5th Element oder dieser Marsfilm, von dem ich nie den Titel richtig auf die Reihe kriege. Kosh stimmt mir zu und sagt mir, welchen Film ich eigentlich meine. Jetzt weiß ich's aber schon wieder nicht mehr.


Ein außerirdisch aussehender Eisberg

Viele der Eisberge sind einfach so rumschwimmende Kunstobjekte. Beeindruckende Kunstobjekte.


Ui.


Wer, bitte, designt diese Eisberge?


Noch ein Eisberg

So langsam nähern wir uns dem Ziel, und passieren einen großen Eisberg.


Eisberg aus der Nähe

Schließlich kommt Tasiilaq in Sicht, unser Ziel für heute. Es liegt links auf den Hügeln, versteckt sich aber noch größtenteils dahinter. Sehen könnte man aus der Entfernung ohnehin fast nur die leidige Müllhalde vor der Siedlung.

Daran, daß dieses Bild die laufende Nummer 417 trägt, kann man auch in etwa erkennen, wie viele Eisbergfotos ich WIRKLICH gemacht habe (okay, Grönland/Island fängt erst mit der Nummer 29 an, die Bilder davor sind Testaufnahmen und MA-Markt Nohfelden, aber trotzdem ;)).


Die Bucht von Tasiilaq - unser Ziel für heute