Mittwoch, 31. Oktober 2007

Grönland, Tag 5 (I) - Vom Amitsivartiva zum Sermilik-Fjord, über den kältesten Fluß Grönlands

Nachdem ich am Abend vorher in den Schlafsack gefallen war wie ein Stein und auch geschlafen hatte wie ein solcher, kriechen wir morgens doch in halbwegs brauchbarem Zustand aus den Federn (im wahrsten Sinne des Wortes... unsere Daunenschlafsäcke haben uns gute Dienste geleistet). Müde bin ich zwar, aber das ist morgens ja nichts Neues. Ansonsten merke ich zwar den gestrigen Tag - also, wenn ich keine Fotos mehr mache, dann bin ich schon WIRKLICH fix & alle -, aber ich freue mich auch auf den heutigen, der laut Holger und Karte zwar auch nicht kurz wird, aber keine großangelegten Steigungen enthält.

Wir frühstücken, das übliche: Marmelade, Nutella oder auch Salami/Käse auf so einer Art Vollkornbrot, was sich länger hält als das übliche Weißbrot und auch recht gut schmeckt. Hier haben wir ja keine Stühle und nichts, also sitzen wir auf passend herumliegenden Steinen oder auch auf dem Boden, im Zelt ist es ja trocken. Als Frühstückstisch dienen die gelben Proviantkisten. Fürs Mittagessen schmieren wir uns Brote und packen sie ein, dann wird abgebaut.


Tag 5: Aufbruch am Amitsivartiva-Fjord

Gestern habe ich es ja nicht mal mehr geschafft, den Fjord zu fotografieren... das wird nun nachgeholt. Die Wolken hängen leider immer noch recht tief, aber es regnet nicht und sieht auch nicht so aus, als ob es das bald tun wollte.
Der Amitsivartiva ist ein sehr schmaler Fjord, der fast genau von Nordosten nach Südwesten führt und im Südwesten dann in den großen Sermilik-Fjord mündet, der von Norden kommt. Dieser ist im Vergleich zu den kleinen Fjorden riesig; praktisch die gesamte Gegend, in der wir hier unterwegs sind, grenzt im Westen an ihn.


Der Amitsivartiva-Fjord

Wir bilden die obligatorische Kette und verladen unseren gesamten Kram, Zelte und alles, in das offene Boot. So ganz trauen wir dem Frieden nicht, das ist schon eigentlich mehr eine Nußschale, und da alles offen liegt, würde auch bei Regen alles naß werden. Aber wir haben schon so gepackt, daß alles möglichst regendicht ist. Aber trotzdem, immerhin gibt es da ja noch Eisberge und Wellen und alles das. Wir hoffen also einfach, daß wir heute abend Bootsfahrer, Boot und Gepäck auch wohlbehalten wiedersehen.


Die übliche Verladekette ins Boot

Unser Bootsfahrer heißt Gerd und ist ein sehr netter Mensch - er spricht leider fast nur Ostgrönländisch, so daß sich die Kommunikation etwas aufwendig gestaltet. Holger und Gerd, die sich schon länger kennen, 'arbeiten' aber zusammen an einem ostgrönländischen Wörterbuch, und Holgers Notizzettel sind schon recht nützlich. Der Rest wird durch Gefuchtel und Fingerzählen erledigt.
Der deutsch klingende Name ist übrigens für die Gegend nicht ungewöhnlich, da etwa im 18./19. Jahrhundert deutsche Missionare hier tätig waren und viele Einheimische damals auf deutsche Namen tauften.


Gerd bricht auf... mit unserem Gepäck


Noch ein Blick auf den Fjord... links die Berge um den Gipfel Innertivik

Wir schultern also die Tagesrucksäcke und machen uns auf den Weg. Da wir ein Stück in den Fjord hineingelaufen sind, müssen wir das Stück wieder zurücklaufen, sozusagen bis zum Anfang des Fjords.


Das Ende des Fjords, bzw. der Anfang

Rechter Hand liegt der Fluß, über den wir gestern mit Tricks und Tücke drübergekommen sind.


Das müßte der Fluß sein, den wir am Tag vorher überquert hatten...

Wir haben das Nordostende des Fjords erreicht, lassen den Fluß rechts liegen und wenden uns nach Norden. Wir wollen entlang eines breiten Nord-Süd-Tals, quasi der Fortsetzung des Flußtals, in das wir gestern abgestiegen sind, bis an den Sermilik-Fjord im Norden gehen. Im Tal liegt zuerst ein großer langer See, dann ein kleinerer See, und irgendwo da müssen wir einen Fluß überqueren - Holger hat uns mehrfach vorgewarnt, so daß wir alle die Wasserschuhe dabeihaben.


Der große See zwischen dem Amitsivartiva- und dem Sermilik-Fjord

Natürlich hat der See auf der Karte wieder keinen Namen, wie so vieles.


Steine.

Es gibt eine Menge Steine und auch eine Menge Mücken. Kosh trägt sinnvollerweise sein Mückennetz; mich nervt meins gründlich und ich trage es eher weniger. Allerdings werde ich auch dementsprechend gestochen... praktisch seit Tasiilaq ist abwechselnd das rechte und das linke Auge durch Mückenstiche leicht zugeschwollen. Holger meint schon, daß da irgendein ausgetüfteltes System dahintersteckt, warum das immer abwechselnd ist. Es ist allerdings nicht nur das Auge; auch sonst bin ich ziemlich zerstochen, und die Stiche schwellen an und jucken schlimmer als die kontinentaleuropäischen. Noch nervt das Netz mich allerdings noch mehr als die Mückenstiche, weswegen ich es immer erst anziehe, wenn's gar nicht mehr anders geht.


Schon wieder so eine Uruk-hai-Schlucht!


Die Wolken reißen auf, und Kosh fotografiert heute auch


Gegenseitiges Knipsen beim Knipsen ;)

So etwa auf der halben Strecke liegt der berüchtigte Fluß. Es ist ein Gletscherfluß, also relativ trübe und eiskalt. Holger meint, es sei der kälteste Fluß, den er in Grönland kennen würde... vielleicht läge es daran, daß der Gletscher so nah sei. Er ist allerdings nicht sonderlich tief, da er ein großes Delta mit vielen Armen bildet, über das wir hinüberwollen.

Für einige in der Gruppe ist das die erste Flußüberquerung, wo es nicht mehr mit Springen und Tricksen geht, sondern man wirklich die Schuhe ausziehen muß und waten. Ich selbst kenne das Spielchen von Island zur Genüge. Also, Schuhe aus, Regenhose an und um die Knöchel mit Tape festkleben, Flußsandalen an, so fest zukletten, wie sie sinnvoll gehen, Stöcke länger stellen, Kamera wegpacken, Schuhe um den Hals. Bei mir merkt man immer daran, wo die Kamera ist, ob ich etwas für einfach oder eher schwierig halte... wenn ich die Kamera wegpacke, dann wird es schon etwas ernster.

Heike hat für die Flüsse normale Flipflops mitgebracht statt richtiger Watschuhe, und wir alle sind etwas skeptisch, ob sie mit den Dingern rüberkommt. Sie selbst auch. Der Fluß hat ordentlich Strömung, und man sieht halt nicht genau, wo man hintritt, da das Wasser nicht durchsichtig ist. Holger testet die Passage aus, und wir folgen ihm über die ersten Flußarme, die auch gleichzeitig die schwierigsten sind.

Und wenn ich sage, das Wasser ist eiskalt, dann meine ich genau das. Man kann sich nicht vorstellen, wie verdammt weh kaltes Wasser tun kann! Ich hatte es in Island schon einmal erlebt, daß ich bei einem ebenfalls nicht sonderlich tiefen, aber breiten Fluß die letzten Meter ohne jede Rücksicht darauf, wo ich hintrete und ob ich meine Klamotten naßmache oder sonst irgendwas, einfach nur blindlings vorwärts gestolpert bin, um aus dem kalten Wasser rauszukommen - einfach weil es so wehgetan hat. Wenn ich damals nicht meine Mutter dabeigehabt hätte, hätte ich vermutlich laut geschrien. Seitdem haben wir diesen Trick entwickelt, die Regenhose anzuziehen und um die Knöchel mit Panzertape zuzutapen, so daß wenigstens nur die Füße in direkten Kontakt mit dem Wasser kommen. Brrr.

Dieser Fluß hier ist von ähnlicher Qualität, nur etwas flacher und eben weniger breit dadurch, daß er auf mehrere Arme aufgeteilt ist. Und in der Tat ist die Eiseskälte das größte Problem. Wenn man nichts sieht, muß man eigentlich langsam gehen und mit den Stöcken die Wassertiefe erst austesten... andererseits verleiten die Kälte und der Schmerz dazu, sich möglichst zu beeilen. Da hat dann jeder seine eigene Methode, wie er das macht.

Kosh und die meisten anderen kommen gut durch, obwohl mir Kosh sagt, daß es ihm einmal schwarz vor Augen geworden ist von den Kälteschmerzen. Er tut mir irgendwie leid - ich war ja wenigstens gewarnt; ich wußte, was kommt, aber wenn man das nicht mal selbst erlebt hat, dann kann man sich's kaum vorstellen. Dummerweise hört es auch nicht gleich sofort auf, wenn man aus dem Wasser raus ist, sondern geht nur langsam weg.

Unser Sorgenkind ist jetzt Heike, die diese Flipflops anhat, die am Fuß nicht halten und tatsächlich von der Strömung beide losgerissen und weggetragen werden, ohne Chance, sie wieder einzufangen. Mit Holgers Hilfe kommt Heike aber auch auf der anderen Seite an, barfuß. Eigentlich ist sie eine geübte Wanderin, aber eben eher in den Alpen, wo es solche Dinge wie diesen Fluß einfach nicht gibt.

Wir bringen die restlichen, größtenteils kleineren Flußarme hinter uns und machen erst einmal Rast auf der Anhöhe hinter dem Fluß, um die Füße wieder aufzuwärmen, Socken und Schuhe wieder anzuziehen und etwas zu essen.


Der kälteste Fluß Grönlands


Das Delta, das wir gerade überquert haben

Nachdem wir ein Stück weitergelaufen sind, kommt auch der Sermilik-Fjord vor uns in Sicht. Dort wollen wir hin, allerdings noch ein kleines Stück weiter nördlich als das, was wir von hier aus sehen.


Der Sermilik-Fjord kommt in Sichtweite

Manchmal gibt es praktisch nur Steine, manchmal aber wächst da auch eine Menge dazwischen.


Unmotiviert herumliegende Steine


Weidenröschen, Grünzeugs und Steine

Das Grünzeugs sind übrigens neben Gräsern hauptsächlich niedriges Beerengestrüpp (von Krähenbeeren und ähnlichem) sowie Weiden. Diese Weiden kommen hier auch nicht über die Höhe eines Heidelbeerbüschels hinaus.


Noch ein herumliegender Stein

Solche Steine sind übrigens neben aller Dekorativität eine notwendige Hilfe für Toilettengänge, da das Gelände sonst eigentlich keine Deckung bietet. Da wir möglichst keinen Müll hinterlassen wollen, wird das Klopapier, so weit es eben geht, gleich verbrannt.


Gegend


Sumpf

Von den Franzosen haben wir übrigens kaum etwas gesehen und gehört; wir wissen nicht genau, wo sie sind. Vermutlich sind sie weiter unterhalb gelaufen, mehr am See entlang. Da sie wiederum auf den gleichen Lagerplatz zielen wie wir, werden wir sie abends schon wiedersehen. Holger macht sich ein paar Sorgen, da die gescheiten Zeltplätze dort, wo wir hinwollen, eher knapp sind.


Viele, viele Steine.


Ein Flüßchen

Der Sermilik-Fjord rückt näher - es sieht aus, als sei er komplett mit Eis gefüllt. Das ist er aber nicht, zwischen den Eisbergen ist noch freies Wasser.


Der Sermilik-Fjord von weitem


Es sieht aus, als wäre darauf eine geschlossene Eiswand.


Wir nähern uns dem Fjord


Blick zurück ins Tal


Eisberge!

Wir erreichen das Wasser an einem flachen Seitenarm des Fjords. Der Sermilik hat uns wieder, und es gibt immer noch jede Menge Eisberge darauf.


Sapulik

Sapulik heißt dieses kleine flache Wasserstück, das zwar schon mit dem Sermilik-Fjord verbunden ist, aber zu flach für die Eisberge ist.

Dienstag, 23. Oktober 2007

Grönland, Tag 4 (II) - Die härteste Etappe

Hat etwas länger gedauert, was zum Teil an der RingCon lag, zum Teil daran, daß meine Motivation, weiterzubloggen, sich unter Sakuras Schrank verkrochen hatte (danke an Stina fürs Wieder-Herbeijagen) und zum Teil daran, daß ich partout nicht mehr wußte, ob eine bestimmte Flußüberquerung jetzt am 4. oder 5. Tag war; im Forum steht's auch noch falsch. Ähem, ich kann das erklären *hust*.

Eine weitere Begebenheit trug sich auch noch vor dem großen Abstieg zu, allerdings gibt es da keine Fotos davon: als wir so oben auf dem Berg durch die Wolke tappen, wollen wir an einem Fluß die Wasserflaschen auffüllen. Plötzlich sehen wir durch den Nebel Schemen am Fluß. Menschen! I see shapes of men...

Es scheint noch eine weitere Gruppe Wanderer diesen Weg genommen zu haben. Als wir näherkommen, erkennen wir, daß es keine anderen sind als ausgerechnet die Franzosen vom Flughafen. Zunächst mal ist das ja nicht schlimm, und daß man tatsächlich mal jemandem unterwegs begegnet, auch nicht - unser Chef ist aber verstimmt, daß die Franzosen wohl eine sehr ähnliche Route laufen wie wir und die gleichen Lagerplätze im Sinn haben. Ich kann die Verstimmung gut verstehen, eigentlich ist Grönland nun wirklich groß genug, und das Unternehmen, mit dem wir unterwegs sind, geht diese Route nun schon nicht erst seit gestern. Klar haben sie bei der Gegend, die niemandem gehört, kein Recht darauf, irgendeinen Platz als ihren zu beanspruchen, auch wenn sie die ersten waren, die die Route so gelaufen sind, aber es ist doch für beide Gruppen nicht schön, wenn man sich bei den Lagerplätzen dann auf den Füßen steht. Da könnten sich selbst Konkurrenten doch absprechen, wenn man schon die gleiche Route läuft, das dann eben um ein paar Tage versetzt zu machen! Es ist ja nicht so, daß man nicht an einer Hand abzählen könnte, welche Reiseunternehmen da oben irgendwelche Touren veranstalten.

Aber na schön, wir können's nicht ändern, also werden wir eben die schon vorher kennengelernte grönländische Tradition des gegenseitigen Ignorierens pflegen. Da beide Gruppen wohl auch nicht auf großartige Interaktion erpicht sind, ist das wohl die sinnvollste Lösung. Unsere Wege trennen sich auch gleich wieder, da die Franzosen offenbar weiter oben laufen als wir, während unser Chef sagt, bei dem Wetter ergäbe das keinen Sinn.


Wolken, Berge, Wolken, Fjord und Steine

Da auch auf unserer Höhe immer noch gelegentlich Wolken sind, und weiter oben noch mehr davon, sind wir seiner Meinung. Wolke von innen hatten wir für heute eigentlich genug.


Wir sind immer noch recht hoch oben


Und wir hängen gelegentlich noch in der Wolke

Im Fjord sind tatsächlich auch ein paar kleine Eisberge. Die wollen natürlich auch fotografiert werden.


Da sind Eisberge im Fjord.


Wir kommen dem Wasser näher

Auf dem nächsten Foto ist der Fjord links Ikaasatsivaq; rechts geht es in den Meeresarm bei Tiniteqilaaq, der wohl an dieser Stelle keinen eigenen Namen hat - oder doch... auf meiner einen Karte heißt er (Sarpaq) Aariaa, auf der anderen Karte ist das viel weiter südlich. Sarpaq zumindest heißt die Insel vor Tiniteqilaaq, und damit wohl auch der Meeresarm drumherum, aber Aariaa könnte wohl sein. Da ich aber immer noch kein Ostgrönländisch kann, weiß ich nicht mal, ob die beiden Wörter nun zusammengehören oder nicht, und wenn sich die Karten nicht einig sind, kann ich da nur raten, daß Aariaa etwas Eigenständiges ist, weil es immer groß geschrieben wird, also könnte das Wasser hier wohl so heißen.
Die beiden Ausläufer im Vordergrund hören bald auf und gehen sozusagen in den Fluß über, der da in den Fjord fließt.


Links der Ikaasatsivaq-Fjord, rechts Kartenchaos...

Je niedriger wir kommen, desto mehr sehen wir von der Flußumgebung. Dort gibt es eine Landschaftsform, die mir von Island her hinreichend vertraut ist: Buckelwiesen. Wie Pyr schon im Forum kommentierte: sie sehen aus wie 'eine Herde Gras'. Laut Holger gibt es die auch bis Sibirien, wo die höchsten zu finden sind, mit einer Buckelhöhe von bis zu 2 Metern (eeek?!).
Wenn man mit Pferden unterwegs ist, ist diese Landschaftsform sehr praktisch, weil man sich beim Aufsteigen nämlich einfach auf einen Buckel stellen kann und das Pferd dazwischen; für Fußgänger sind die allerdings einfach nur nervig, wenn man sie überqueren muß. Normales Laufen ist auf diesen Dingern unmöglich, entweder man schlängelt sich zwischen ihnen durch oder versucht, obendrauf zu laufen, was allerdings in unregelmäßiges Gespringe von Buckel zu Buckel ausarten kann. Obendrein sind diese Dinger obendrauf nicht unbedingt fest, manchmal ist das nur Gras und kaum etwas drunter... das ist allerdings zwischen ihnen meist auch nicht besser, da die Gegend oft sumpfig ist, so daß zwischen den Grasbuckeln Sumpf ist und man obendrauf 'laufen' muß.
Alles in allem sieht's also zwar hübsch aus, aber als Untergrund zum Laufen sind sie alles andere als angenehm.


Arktische Buckelwiesen

Immerhin gibt es da oben, wo wir sind, immer noch genügend Steine.


Großer schwarzer Stein in der Gegend

Der Abstieg ohne Weg und Steg gestaltet sich manchmal als fast senkrechtes Runterkraxeln über die Hänge; wenigstens gibt es da noch Grünzeug, auf dem man zwar leichter ausrutscht, was aber so generell weicher ist als die Steine, wenn man doch mal hinfällt oder gezwungen ist, den Hintern als zusätzliches Bein zu verwenden. Wir versuchen das aber zu vermeiden.


Abstieg - fast senkrecht runter

Außer gewöhnlichem Grünzeug gibt es da auch nettes blühendes Grünzeug. Auch ein alter Bekannter aus Island, den ich immer wieder gern sehe: das arktische Weidenröschen.


Arktische Weidenröschen

Das Gewächs daneben ist übrigens die arktische Version von Sauerampfer, den ich unter dem Namen Säuerling kenne und den man auch essen kann, schmeckt wie normaler Sauerampfer eben und enthält Vitamin C. Da wir hier sonst nicht viel davon kriegen, pflege ich gelegentlich ein, zwei Blätter zu naschen (nicht zu viel, er enthält vermutlich wie der normale Sauerampfer auch Oxalsäure, die Probleme verursachen kann); Kosh allerdings weigert sich, die Vegetation abzuweiden ;).


Mehr arktische Weidenröschen

Dieser Canyon erinnert mich irgendwie an den, durch den Merry und Pippin von den Uruk-hai getragen werden.


Canyon

Auf der anderen Seite haben wir jetzt einen Blick auf diverse Gletscherzungen, die von den Bergen herunterkommen und den Eis-und-Schnee-Fan Kosh in helles Entzücken versetzen.


Einige Gletscherzungen

Wir laufen immer noch auf halber Höhe am Hang entlang, damit wir dem Fluß und seiner Umgebung nicht zu nahe kommen.


Wir umgehen dieses Flußdelta

Von oben sieht man schon, daß da unten kein sinnvolles Fortkommen möglich wäre, weil es zu sumpfig ist.


Dort unten ist es sumpfig und buckelwiesig

Hier oben gibt es auch noch einen schönen Vertreter prähistorischer Gewächse: den Bärlapp. Ich mag solche Sachen seit dem Dinosaurierzeitalter meiner Kindheit, und den Bärlapp mag ich besonders, seitdem ich für das Auffinden eines solchen mal eine Belohnung von meinen Eltern bekommen habe, nämlich meine Playmobil-Affen :). Naja, nicht nur deshalb... ich finde prähistorische Gewächse generell toll, ich mag ja auch Farne und Schachtelhalme.


Bärlapp!

Es gibt sogar mehrere Sorten davon. Natürlich habe ich kein Bestimmungsbuch dabei.


Zwei verschiedene Sorten Bärlapp

Wir kommen um die Buckelwiesen nicht ganz drumherum. Aber es muß ja nicht elegant aussehen.


Einige Buckelwiesen müssen wir trotzdem überqueren

Kosh treibt sich noch auf den Steinen herum.


Kosh in der Landschaft

Wir haben uns angewöhnt, alles 'Fluß' zu nennen, was von Rinnsal aufwärts anfängt. Wie in Island auch ist das Wasser aller Flüsse trinkbar, sofern man ihm nicht ansieht, daß es sandig ist (Gletscherflüsse). Alles, wo man problemlos durchschauen kann, ist trinkbar. Das ist auch gut so - wenn wir auch noch das Wasser mitschleppen müßten, wäre das ziemlich blöde.


Ein Flüßchen, an dem wir gerade Wasser 'aufgetankt' haben

Ohnehin merke ich schon lange, daß ich eigentlich im Moment nicht sonderlich fit bin und die lange Tour - vor allem die Anstiege - nicht einfach so wegstecken kann, auch wenn wir nur mit Tagesgepäck laufen. Es ist aber tröstlich, daß Holger meint, die heutige wäre auch die schwerste Etappe. Na denn dann.


Wasser, Wolken, Steine...

Mittlerweile sind wir deutlich unter die Wolken gefallen und befinden uns jetzt zwischen dem Ikaasatsivaq-Fjord im Süden und dem schmalen Amitsivartiva-Fjord im Norden, wo wir auch lagern werden. Allerdings sind da noch ein paar Berge und so dazwischen ;).


Zwischen zwei Fjorden


Ein Fluß mit Weidenröschen

Ich bin begeistert, wie viele Weidenröschen es hier gibt.


Ganze Büschel von Weidenröschen

Zwischen uns und dem Zielfjord liegen noch diverse Flüsse, die wir aber mit List und Tücke überqueren können, ohne die Schuhe auszuziehen.


Immer wieder kleinere Flüßchen

Das ist der größere Fluß, von dem ich ursprünglich dachte, wir hätten den durchwaten müssen - mittlerweile bin ich aber Koshs Meinung, das der Watfluß einen Tag später war. Zumindest bei diesem Fluß kann ich mich daran erinnern, den letzten Seitenarm mit dem Sprungtrick überquert zu haben - die Wanderstöcke deutlich länger machen als zum Wandern, und dann damit sozusagen stabhochsprungmäßig über den Fluß setzen, indem man sie in der Mitte vom Wasser aufsetzt und dann als Sprunghilfe benutzt. Die langbeinigeren Menschen haben solche Tricks natürlich wieder nicht nötig, brummel. ;)


Größerer Fluß

Überhaupt habe ich auf diesem letzten Stück verhältnismäßig wenig Fotos gemacht und war auch abends viel zu fertig, um noch Tagebuch zu schreiben... es war schon eine verdammt anstrengende Etappe, und zum Schluß mußte ich mich tatsächlich sehr oft darauf konzentrieren, einfach nur vorwärts zu gehen, ohne sonst noch irgendetwas anderes zu tun.


Wir sind über den Fluß hinweg

Als wir endlich am Lagerplatz auf der rechten Seite des Fjords ankommen, sehen wir da schon einen Gepäckhaufen liegen - es ist aber nicht unserer. Das muß dann das Zeug von den Franzosen sein, die aber noch nicht da sind. Die sind ja auch weiter hochgegangen als wir. Kurz nach uns kommt aber auch unser Boot mit unserem Gepäck an, so daß wir jetzt in der Lage sind, als erste die Zelte aufzubauen. Wir machen uns zwar nicht extra breit, aber die geeignetsten Zeltplätze nehmen wir uns jetzt, schließlich waren wir zuerst da. Und, wie gesagt, die Routen von uns sind eigentlich bekannt - wenn die Franzosen unbedingt zur gleichen Zeit dieselbe Route laufen müssen, dann ist das eben doof für beide; wir finden's ja auch doof, daß die da sind.

Ich bin allerdings nach der Tagesetappe so fix und fertig, daß ich mich gleich bei der Ankunft irgendwo auf den Boden werfe und erst mal nichts mehr tue, deshalb gibt es vom Abend vom Lagerplatz auch kein Foto und nichts. Es fällt mir höllisch schwer, mich überhaupt wieder auf die Füße zu stellen und irgendwas hinsichtlich Zeltaufbau und dergleichen zu tun, als dann das Boot kommt. Zwar habe ich ja gute Schuhe und hatte keine Blasen oder so etwas, aber mir tut trotzdem alles weh, und ich bin einfach schlagkaputt.

Aber die schwerste Etappe habe ich offenbar geschafft, und insofern bin ich zuversichtlich, daß ich den Rest auch schaffe. Vor allem, weil Holger sagt, solche heftigen Anstiege kommen jetzt eigentlich nicht mehr, es sei nur noch mal technisch schwieriger. Das macht mir allerdings weniger aus; der heutige Tag hat mich aber ziemlich an meine Grenzen gebracht, einfach durch das Höhenprofil und die schiere Entfernung, wobei der lange hohe Anstieg eindeutig das größte Problem war, weil es die meiste Kraft gekostet hat. Klar, wenn es um Leben und Tod ginge, käme ich auch noch weiter, das geht uns allen so, aber wir sind alle froh, daß wir von Holger ein leckeres Abendessen bekommen (ich bewundere ihn restlos, daß er auch noch kocht, während ich mich eigentlich keine 30 cm mehr fortbewegen mag und nur noch irgendwo herumliegen möchte) und danach in unsere Zelte kriechen können. Daß die Franzosen ankommen und über unsere Anwesenheit genausowenig begeistert sind wie wir über ihre, bekomme ich nur noch so im Halbschlaf mit. Die schwerste Etappe ist geschafft... Zzzz.