Wir frühstücken, das übliche: Marmelade, Nutella oder auch Salami/Käse auf so einer Art Vollkornbrot, was sich länger hält als das übliche Weißbrot und auch recht gut schmeckt. Hier haben wir ja keine Stühle und nichts, also sitzen wir auf passend herumliegenden Steinen oder auch auf dem Boden, im Zelt ist es ja trocken. Als Frühstückstisch dienen die gelben Proviantkisten. Fürs Mittagessen schmieren wir uns Brote und packen sie ein, dann wird abgebaut.

Tag 5: Aufbruch am Amitsivartiva-Fjord
Gestern habe ich es ja nicht mal mehr geschafft, den Fjord zu fotografieren... das wird nun nachgeholt. Die Wolken hängen leider immer noch recht tief, aber es regnet nicht und sieht auch nicht so aus, als ob es das bald tun wollte.
Der Amitsivartiva ist ein sehr schmaler Fjord, der fast genau von Nordosten nach Südwesten führt und im Südwesten dann in den großen Sermilik-Fjord mündet, der von Norden kommt. Dieser ist im Vergleich zu den kleinen Fjorden riesig; praktisch die gesamte Gegend, in der wir hier unterwegs sind, grenzt im Westen an ihn.

Der Amitsivartiva-Fjord
Wir bilden die obligatorische Kette und verladen unseren gesamten Kram, Zelte und alles, in das offene Boot. So ganz trauen wir dem Frieden nicht, das ist schon eigentlich mehr eine Nußschale, und da alles offen liegt, würde auch bei Regen alles naß werden. Aber wir haben schon so gepackt, daß alles möglichst regendicht ist. Aber trotzdem, immerhin gibt es da ja noch Eisberge und Wellen und alles das. Wir hoffen also einfach, daß wir heute abend Bootsfahrer, Boot und Gepäck auch wohlbehalten wiedersehen.

Die übliche Verladekette ins Boot
Unser Bootsfahrer heißt Gerd und ist ein sehr netter Mensch - er spricht leider fast nur Ostgrönländisch, so daß sich die Kommunikation etwas aufwendig gestaltet. Holger und Gerd, die sich schon länger kennen, 'arbeiten' aber zusammen an einem ostgrönländischen Wörterbuch, und Holgers Notizzettel sind schon recht nützlich. Der Rest wird durch Gefuchtel und Fingerzählen erledigt.
Der deutsch klingende Name ist übrigens für die Gegend nicht ungewöhnlich, da etwa im 18./19. Jahrhundert deutsche Missionare hier tätig waren und viele Einheimische damals auf deutsche Namen tauften.

Gerd bricht auf... mit unserem Gepäck

Noch ein Blick auf den Fjord... links die Berge um den Gipfel Innertivik
Wir schultern also die Tagesrucksäcke und machen uns auf den Weg. Da wir ein Stück in den Fjord hineingelaufen sind, müssen wir das Stück wieder zurücklaufen, sozusagen bis zum Anfang des Fjords.

Das Ende des Fjords, bzw. der Anfang
Rechter Hand liegt der Fluß, über den wir gestern mit Tricks und Tücke drübergekommen sind.

Das müßte der Fluß sein, den wir am Tag vorher überquert hatten...
Wir haben das Nordostende des Fjords erreicht, lassen den Fluß rechts liegen und wenden uns nach Norden. Wir wollen entlang eines breiten Nord-Süd-Tals, quasi der Fortsetzung des Flußtals, in das wir gestern abgestiegen sind, bis an den Sermilik-Fjord im Norden gehen. Im Tal liegt zuerst ein großer langer See, dann ein kleinerer See, und irgendwo da müssen wir einen Fluß überqueren - Holger hat uns mehrfach vorgewarnt, so daß wir alle die Wasserschuhe dabeihaben.

Der große See zwischen dem Amitsivartiva- und dem Sermilik-Fjord
Natürlich hat der See auf der Karte wieder keinen Namen, wie so vieles.

Steine.
Es gibt eine Menge Steine und auch eine Menge Mücken. Kosh trägt sinnvollerweise sein Mückennetz; mich nervt meins gründlich und ich trage es eher weniger. Allerdings werde ich auch dementsprechend gestochen... praktisch seit Tasiilaq ist abwechselnd das rechte und das linke Auge durch Mückenstiche leicht zugeschwollen. Holger meint schon, daß da irgendein ausgetüfteltes System dahintersteckt, warum das immer abwechselnd ist. Es ist allerdings nicht nur das Auge; auch sonst bin ich ziemlich zerstochen, und die Stiche schwellen an und jucken schlimmer als die kontinentaleuropäischen. Noch nervt das Netz mich allerdings noch mehr als die Mückenstiche, weswegen ich es immer erst anziehe, wenn's gar nicht mehr anders geht.

Schon wieder so eine Uruk-hai-Schlucht!

Die Wolken reißen auf, und Kosh fotografiert heute auch

Gegenseitiges Knipsen beim Knipsen ;)
So etwa auf der halben Strecke liegt der berüchtigte Fluß. Es ist ein Gletscherfluß, also relativ trübe und eiskalt. Holger meint, es sei der kälteste Fluß, den er in Grönland kennen würde... vielleicht läge es daran, daß der Gletscher so nah sei. Er ist allerdings nicht sonderlich tief, da er ein großes Delta mit vielen Armen bildet, über das wir hinüberwollen.
Für einige in der Gruppe ist das die erste Flußüberquerung, wo es nicht mehr mit Springen und Tricksen geht, sondern man wirklich die Schuhe ausziehen muß und waten. Ich selbst kenne das Spielchen von Island zur Genüge. Also, Schuhe aus, Regenhose an und um die Knöchel mit Tape festkleben, Flußsandalen an, so fest zukletten, wie sie sinnvoll gehen, Stöcke länger stellen, Kamera wegpacken, Schuhe um den Hals. Bei mir merkt man immer daran, wo die Kamera ist, ob ich etwas für einfach oder eher schwierig halte... wenn ich die Kamera wegpacke, dann wird es schon etwas ernster.
Heike hat für die Flüsse normale Flipflops mitgebracht statt richtiger Watschuhe, und wir alle sind etwas skeptisch, ob sie mit den Dingern rüberkommt. Sie selbst auch. Der Fluß hat ordentlich Strömung, und man sieht halt nicht genau, wo man hintritt, da das Wasser nicht durchsichtig ist. Holger testet die Passage aus, und wir folgen ihm über die ersten Flußarme, die auch gleichzeitig die schwierigsten sind.
Und wenn ich sage, das Wasser ist eiskalt, dann meine ich genau das. Man kann sich nicht vorstellen, wie verdammt weh kaltes Wasser tun kann! Ich hatte es in Island schon einmal erlebt, daß ich bei einem ebenfalls nicht sonderlich tiefen, aber breiten Fluß die letzten Meter ohne jede Rücksicht darauf, wo ich hintrete und ob ich meine Klamotten naßmache oder sonst irgendwas, einfach nur blindlings vorwärts gestolpert bin, um aus dem kalten Wasser rauszukommen - einfach weil es so wehgetan hat. Wenn ich damals nicht meine Mutter dabeigehabt hätte, hätte ich vermutlich laut geschrien. Seitdem haben wir diesen Trick entwickelt, die Regenhose anzuziehen und um die Knöchel mit Panzertape zuzutapen, so daß wenigstens nur die Füße in direkten Kontakt mit dem Wasser kommen. Brrr.
Dieser Fluß hier ist von ähnlicher Qualität, nur etwas flacher und eben weniger breit dadurch, daß er auf mehrere Arme aufgeteilt ist. Und in der Tat ist die Eiseskälte das größte Problem. Wenn man nichts sieht, muß man eigentlich langsam gehen und mit den Stöcken die Wassertiefe erst austesten... andererseits verleiten die Kälte und der Schmerz dazu, sich möglichst zu beeilen. Da hat dann jeder seine eigene Methode, wie er das macht.
Kosh und die meisten anderen kommen gut durch, obwohl mir Kosh sagt, daß es ihm einmal schwarz vor Augen geworden ist von den Kälteschmerzen. Er tut mir irgendwie leid - ich war ja wenigstens gewarnt; ich wußte, was kommt, aber wenn man das nicht mal selbst erlebt hat, dann kann man sich's kaum vorstellen. Dummerweise hört es auch nicht gleich sofort auf, wenn man aus dem Wasser raus ist, sondern geht nur langsam weg.
Unser Sorgenkind ist jetzt Heike, die diese Flipflops anhat, die am Fuß nicht halten und tatsächlich von der Strömung beide losgerissen und weggetragen werden, ohne Chance, sie wieder einzufangen. Mit Holgers Hilfe kommt Heike aber auch auf der anderen Seite an, barfuß. Eigentlich ist sie eine geübte Wanderin, aber eben eher in den Alpen, wo es solche Dinge wie diesen Fluß einfach nicht gibt.
Wir bringen die restlichen, größtenteils kleineren Flußarme hinter uns und machen erst einmal Rast auf der Anhöhe hinter dem Fluß, um die Füße wieder aufzuwärmen, Socken und Schuhe wieder anzuziehen und etwas zu essen.

Der kälteste Fluß Grönlands

Das Delta, das wir gerade überquert haben
Nachdem wir ein Stück weitergelaufen sind, kommt auch der Sermilik-Fjord vor uns in Sicht. Dort wollen wir hin, allerdings noch ein kleines Stück weiter nördlich als das, was wir von hier aus sehen.

Der Sermilik-Fjord kommt in Sichtweite
Manchmal gibt es praktisch nur Steine, manchmal aber wächst da auch eine Menge dazwischen.

Unmotiviert herumliegende Steine

Weidenröschen, Grünzeugs und Steine
Das Grünzeugs sind übrigens neben Gräsern hauptsächlich niedriges Beerengestrüpp (von Krähenbeeren und ähnlichem) sowie Weiden. Diese Weiden kommen hier auch nicht über die Höhe eines Heidelbeerbüschels hinaus.

Noch ein herumliegender Stein
Solche Steine sind übrigens neben aller Dekorativität eine notwendige Hilfe für Toilettengänge, da das Gelände sonst eigentlich keine Deckung bietet. Da wir möglichst keinen Müll hinterlassen wollen, wird das Klopapier, so weit es eben geht, gleich verbrannt.

Gegend

Sumpf
Von den Franzosen haben wir übrigens kaum etwas gesehen und gehört; wir wissen nicht genau, wo sie sind. Vermutlich sind sie weiter unterhalb gelaufen, mehr am See entlang. Da sie wiederum auf den gleichen Lagerplatz zielen wie wir, werden wir sie abends schon wiedersehen. Holger macht sich ein paar Sorgen, da die gescheiten Zeltplätze dort, wo wir hinwollen, eher knapp sind.

Viele, viele Steine.

Ein Flüßchen
Der Sermilik-Fjord rückt näher - es sieht aus, als sei er komplett mit Eis gefüllt. Das ist er aber nicht, zwischen den Eisbergen ist noch freies Wasser.

Der Sermilik-Fjord von weitem

Es sieht aus, als wäre darauf eine geschlossene Eiswand.

Wir nähern uns dem Fjord

Blick zurück ins Tal

Eisberge!
Wir erreichen das Wasser an einem flachen Seitenarm des Fjords. Der Sermilik hat uns wieder, und es gibt immer noch jede Menge Eisberge darauf.

Sapulik
Sapulik heißt dieses kleine flache Wasserstück, das zwar schon mit dem Sermilik-Fjord verbunden ist, aber zu flach für die Eisberge ist.


























