Donnerstag, 16. August 2007

Grönland, Tag 2 (II) - Apusiajiik-Gletscher und Eisberge

Eine grönländische Hürde beim Einsteigen in ein Boot hatte ich vergessen zu erwähnen: die Schwimmwesten. Bootspassagiere sind in Grönland verpflichtet, VOR dem Einsteigen in ein Boot Schwimmwesten anzulegen. Es könnte ja jemand beim Einsteigen ins Wasser fallen. Daß man in diesen Mistdingern die Bewegungsfreiheit einer Landschildkröte mit Gehgips hat und insofern das Einsteigen (sprich Ins-Boot-Kraxeln) x-mal schwieriger ist als ohne sie, und somit das Risiko, überhaupt ins Wasser zu fallen, dramatisch erhöht wird, ist den Behörden wohl entgangen.

Dummerweise sind die da in Grönland anders drauf als die Leutchen auf dem Amazonas, wo das zwar auch Pflicht ist, die Schwimmwesten aber erst herausgekramt und angelegt werden, wenn auf dem Fluß ein Polizeiboot in Sicht kommt (genau so ist es uns zumindest passiert).

Letztendlich frage ich mich, ob Schwimmwesten in Grönland nicht ohnehin ziemlich sinnfrei sind, da die Überlebensdauer, wenn man tatsächlich ins Wasser fällt, etwa bei drei bis fünf Minuten liegen dürfte wegen der Wassertemperatur, ob man nun schwimmt oder nicht. Aber nun ja, Vorschrift ist Vorschrift. Immerhin kann man dann während seiner drei Minuten an der Oberfläche bleiben, das ist auch was wert.

Die beiden Personen, die wir von der anderen Gruppe noch dazugenommen haben, sind zwei recht nette Schweizer oder Österreicher, offenbar ein Ehepaar; ansonsten sind wir auf dem Boot unter uns. Uns, das sind Holger, Reiseleiter und Chef für fast alles, und wir sieben Touris. Eigentlich sollte die Reise eine Mindestteilnehmerzahl von 10 haben, und wir sind sehr froh, daß es auch so trotzdem zustandegekommen ist. Außer Kosh und mir - in unserer Gruppe das einzige Pärchen - ist noch ein Mann dabei, Wolfram, der schon mehrfach in Grönland war, und 4 Frauen. Zwei Freundinnen, die schon lange gemeinsam in Urlaub fahren, Dunja und Susanne, und zwei einzeln reisende Frauen, Helga und Heike.


Holger, unser Chef

Das Ehepaar, das offebar auch schon einmal an der Westküste Grönlands war, unterhält sich mit Holger über die Unterschiede der Eisberge in West- und Ostgrönland... ich höre mit einem halben Ohr zu, bin aber viel zu sehr fasziniert von den Eisbergen, an denen wir gerade vorbeifahren. Wow. Die im Westen sollen zwar angeblich beeindruckender sein, aber ich bin von diesen hier beeindruckt genug.


Eisberg ganz nah

Eigentlich sind das gar nicht alles Eisberge, was da so herumschwimmt - ein Teil sind 'echte' Eisberge, die von den Gletschern abgebrochen sind, aber ein Teil sind Eisschollen, also Packeis, gefrorenes Meereis. Da aber auch die Eisschollen praktisch kein Salz mehr enthalten, ist es für uns ziemlich egal, und so wird eben alles Eisberg genannt, was aus Eis besteht und da so herumschwimmt.


Eisschollen und Eisberge

Teilweise sind da wirklich seltsame Gebilde unterwegs... Türme aus Eis, wie gedrechselt aussehende Säulen, pilzförmige Eisberge, und was nicht noch alles. Wir staunen.


Eisberge in allen möglichen Formen


Manche sehen aus wie umgestürzte Pilze

Das Wetter weiß auch nicht so recht, was es will... schaut man Richtung Meer, herrscht geschlossene Wolkendecke, aber über dem Land ist blauer Himmel.


Über dem Meer liegt arktischer Bleihimmel...


... aber in die andere Richtung scheint die Sonne

Wir nähern uns unserem Ziel, einer Gletscherabbruchkante. Mein Notizbuch sagt, der Gletscher hieße Apusiajiik-Gletscher. Mangels Karte kann ich gerade nicht nachsehen, aber da es für Ostgrönländisch keine verbindlichen Schreibweisen gibt, heißt er vermutlich ohnehin auf jeder Karte anders.


Wir nähern uns dem Gletscher

Das Wasser in der Gletscherbucht ist ruhig, und die Eisberge spiegeln sich darin.


Eisberge in Postkartenlaune

Zwar scheint die Sonne, aber vor allem der Fahrtwind ist dann doch ziemlich kalt.


Kosh hält Ausschau durch die Luke

Unser Bootsfahrer hält in Gletschernähe an, damit wir uns das auch alle gründlich betrachten und fotografieren können. Näher heran wird er wahrscheinlich nicht fahren wollen, da man nie so genau weiß, wann ein neuer Eisberg abbricht. Die Sonne taut zumindest am Eis herum.


Risse und Spalten im Gletschereis


Die Abbruchkante


Da kommen Eisberge her.


Gletscherpanorama mit Eisberg


Apusiajiik heißt der Gletscher


Noch einmal die Eiskante

Überall um uns herum im Wasser schwimmen kleinere Eisberge, und es ist sehr gut, daß das Boot einen verstärkten Boden hat, denn Kollisionen mit Eisbergteilen unter Wasser passieren relativ häufig. Vor allem Eisberge, die fast aufgetaut sind, sind so gut wie durchsichtig und liegen größtenteils unter Wasser, so daß man sie nicht sieht.


Ein kleiner Eisberg demonstriert das Eisberg-Prinzip

Nachdem alle fertig sind mit Gucken, Staunen und Fotografieren, fahren wir weiter in Richtung unseres eigentlichen Ziels, des Ortes Tasiilaq. Natürlich gibt es unterwegs weitere fotografierenswerte Landschaften und Eisberge...


Schroffe Berge und seltsame Eisberge


Sowas gibts doch gar nicht...

Auf dem offenen Meer schwimmen ein paar richtig große Eisberge, die fast aussehen wie futuristische Kriegsschiffe. Ich teste den Zoom meiner Kamera und mache hinterher ein Vergleichsbild, wie weit diese Dinger eigentlich weg sind (im zweiten Bild auf der linken Seite).


Große Eisberge - herangezoomt


So weit weg sind die großen Eisberge wirklich.

Auf der Landseite tauchen mittlerweile seltsame Nebel-/Wolkenstreifen auf, die auch fotografiert werden wollen.


Seltsamer Eisberg mit seltsamen Wolken


Komische Wolken

Einige Eisberge erinnern mich an außerirdische Raumschiffe... so Marke 5th Element oder dieser Marsfilm, von dem ich nie den Titel richtig auf die Reihe kriege. Kosh stimmt mir zu und sagt mir, welchen Film ich eigentlich meine. Jetzt weiß ich's aber schon wieder nicht mehr.


Ein außerirdisch aussehender Eisberg

Viele der Eisberge sind einfach so rumschwimmende Kunstobjekte. Beeindruckende Kunstobjekte.


Ui.


Wer, bitte, designt diese Eisberge?


Noch ein Eisberg

So langsam nähern wir uns dem Ziel, und passieren einen großen Eisberg.


Eisberg aus der Nähe

Schließlich kommt Tasiilaq in Sicht, unser Ziel für heute. Es liegt links auf den Hügeln, versteckt sich aber noch größtenteils dahinter. Sehen könnte man aus der Entfernung ohnehin fast nur die leidige Müllhalde vor der Siedlung.

Daran, daß dieses Bild die laufende Nummer 417 trägt, kann man auch in etwa erkennen, wie viele Eisbergfotos ich WIRKLICH gemacht habe (okay, Grönland/Island fängt erst mit der Nummer 29 an, die Bilder davor sind Testaufnahmen und MA-Markt Nohfelden, aber trotzdem ;)).


Die Bucht von Tasiilaq - unser Ziel für heute

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