Donnerstag, 13. September 2007

Grönland, Tag 4 (I): Durch die Emyn Muil von Grönland

Der erste Blick aus dem Zelt verheißt nichts Gutes. Man sieht die Hand vor Augen nicht, es nieselt und ist neblig. Trotzdem wollen wir los, wir haben eine schwere Etappe vor uns, vermutlich die härteste des ganzen Trekkings. Wir frühstücken schnell und machen uns Brote fürs Mittagessen, bauen dann die Zelte ab und verstauen den ganzen Kram wieder unten bei den Felsen, wo ein Boot das Gepäck abholen wird und zu unserem nächsten Lagerplatz bringen.


Aufbruch von Tiniteqilaaq

Wir steigen genau den Berg hinauf, auf dem wir gestern schon oben waren, allerdings diesmal weiter hinauf. Heute ist die Aussicht aber gleich Null; in jede Richtung sieht man nur die gleiche Erbsensuppe.


Nebel und Regen

Holger hat zwar GPS und alles dabei, aber er findet den Weg auch ohne Hilfsmittel.


Nur Holger weiß, wo es langgeht

Die Gegend erinnert mich von Anfang an an die Emyn Muil - es gibt kaum Vegetation, nur Steine und Nebel. Und still ist es - wir hören nichts außer uns, keine Vögel, nicht einmal Insekten sind heute unterwegs. Und selbst unsere Schritte sind durch den Nebel gedämpft.
Ständig erwarte ich, Sam, Frodo und Gollum irgendwo hinter einem Stein hervorkommen zu sehen. Daß mein Gehirn mir ungefragt ständig Teile des Two-Towers-Soundtracks als Ohrwurm unterjubelt, hilft auch nicht sonderlich. Ich erinnere mich an die Scenic Route to Inch mit dem passenden Soundtrack: "We are lost, we can never go home..."


Steinige Gegend

Es regnet immer noch leicht, und uns ist auch nicht nach Gesprächen zumute. Also laufen wir schweigend hinter Holger her und suchen uns den passendsten Weg.
"These tears we cry... are falling rain..."


Ohne Weg und Steg

Es ist nicht wirklich kalt, aber ungemütlich, und immerhin kalt genug, daß hier oben Altschnee liegengeblieben ist.


Alter Schnee

Es geht immer weiter bergauf, und nicht selten kraxeln wir über steinige Trümmerwüsten. "You are losssssst, you can never go home..."


Typisch grönländisches Gelände

Ich überlege, warum Erik der Rote das Land nicht 'Steinland' getauft hat statt Grönland. Hier gibt es doch wohl mehr Steine als Grünzeug, zumindest in dieser Ecke.


Steine

Zusätzlich zu den Steinen und dem Nebel tauchen auch noch sumpfige Löcher auf, so daß wir aufpassen müssen, nicht plötzlich in einem matschigen Wasserloch zu versinken. Bisher dachte ich immer, die Totensümpfe kämen erst hinter den Emyn Muil. Wenn doch endlich dieser Soundtrack aus meinem Gehirn verschwinden würde!


Sumpfige, matschige Löcher

Wenn Holger nicht wäre, könnten wir durchaus auch im Kreis gelaufen sein, das Gelände sieht jedenfalls überall ziemlich gleich aus.


Mehr Steine

"Where once was light, now darkness falls..."


Wir sind von Steinen umzingelt

Nachdem wir eine ganze Weile weiter im Nebel bergauf gegangen sind, taucht plötzlich rechts von uns eine Bergspitze aus den Wolken auf. Es gibt tatsächlich noch andere Berge da draußen als den, auf dem wir stehen!


Aus den Wolken taucht plötzlich eine Bergspitze auf

Die Wolken reißen etwas auf, und man sieht noch mehr Berge. Wir machen Pause, essen etwas und warten, ob die Wolken vielleicht doch noch weggehen.


Risse in den Wolken


Blick über den Fjord hinweg nach Osten

Es wird zwar etwas heller, aber die Wolken bleiben. Holger beschließt, daß es ohne Sicht keinen Sinn ergibt, weiter nach oben zu gehen. Ich bin auch nicht böse darüber, denn mein Bedarf an bergauf ist für heute gründlich gedeckt. Wir sind zwar langsam gelaufen, aber ich merke trotzdem, daß ich einfach nicht mehr die Berge so hochrennen kann wie früher, da geht mir dann einfach die Luft aus.
Wir laufen also am Hang entlang, der rechts von uns irgendwo unten im Nebel verschwindet.


Wolke von innen

Ein bißchen besser wird es aber mit den Wolken - allerdings steigen wir auch langsam ab, so daß wir unter die Wolkendecke kommen werden.


Langsam kann man den Fjord auch erkennen


Abstieg


Wir suchen uns einen Weg nach unten

Ich versuche immer noch, den Soundtrack und Sam und Frodo aus meinem Gehirn zu vertreiben, aber es gelingt mir nicht. Es sieht hier nun einmal genauso aus.


Emyn Muil!


The way to Mordor, Gandalf, is it left or right?

Auch der Abstieg führt über die mittlerweile leidlich bekannten Stein-Sturzäcker.


Viele, viele Steine.


Wir sind immer noch in den Wolken

Die Felsen des Bergs haben eine schöne Maserung.


Interessant gemaserte Steine

Je tiefer wir kommen, desto mehr sieht man auch unten wieder. Noch stecken wir allerdings in den tiefhängenden Wolken.


Man kann endlich wieder bis zum Wasser sehen


Runter, runter, runter...

Holger zeigt uns den Fluß, zu dem wir wollen - zwar nicht bis ganz hinunter, da unten das Gelände zu sumpfig wird, aber wir werden links davon auf halber Höhe des Hangs weiterlaufen, wo es noch felsig ist.

Irgendwie sieht das noch verdammt weit weg aus!


Dort hinunter an den Flußlauf wollen wir.

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